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Skispringen Kornspitz



Martin Koch: "Severin tut dem Skispringen gut" (07.02.2011)

Seit Jahren ist Martin Koch fester Bestandteil der österreichischen Mannschaft, nun erfüllte er sich endlich seinen Traum. Bereits zweimal stand er in dieser Saison schon ganz oben auf dem Podest. Im exklusiven Interview mit SKIJUMPING.de spricht der 29-jährige Kärntner über seine persönlichen Erwartungen von der WM in Oslo, die teaminterne Konkurrenz im ÖSV-Team und seine besondere Leidenschaft: Das Skifliegen.

Martin, konnte man von Österreich etwas anderes als den Gesamtsieg bei der FIS-Team-Tour erwarten?

Martin Koch: Im Moment springen wir sehr gut. Natürlich kann bei einer Wettbewerbsserie immer etwas passieren. Wir betreiben eine Freiluftsportart, da bekommt man nichts geschenkt und muss mit allem rechnen. Wenn wir aber weiterhin auf diesem Niveau springen, sind wir auf einem sehr guten Weg und schwer zu schlagen.

Was macht generell den Reiz dieser Team-Tour aus?

Koch: Das ist ähnlich wie bei der Vierschanzentournee oder dem Nordic Tournament. Es sind unterschiedliche Orte mit verschiedenen Schanzenanlagen. Die Begeisterung ist unheimlich groß und da macht das Springen sehr viel Spaß. In Deutschland herrscht immer eine tolle Stimmung, vor allem Willingen und Oberstdorf sind da etwas ganz Spezielles.

Was sagst du zur Entwicklung des deutschen Teams, speziell zu derjenigen von Severin Freund?

Koch: Das empfinde ich als sehr positiv. Seit den Zeiten von Martin Schmitt und Sven Hannawald mussten die Deutschen schwierige Phasen durchlaufen. Auch der Einstieg in diese Saison lief für sie nicht wie erhofft. Dass Severin jetzt so gut in Form ist und auch die ganze Mannschaft mitzieht, tut dem Skisprungsport sehr gut.

Skifliegen ist bekanntermaßen dein Spezialgebiet. Mit welchen Gefühlen fährst du nun zur neuen Anlage nach Vikersund?

Koch: Dort wurde eine komplett neue Schanze gebaut, die noch dazu die größte der Welt zu sein scheint. Während in Planica beispielsweise viele Komponenten nicht mehr richtig zusammenpassen, erwartet uns in Vikersund wirklich eine ganz moderne Anlange. Ich freue mich sehr darauf.

"Auch die Normalschanzen gehören dazu"

Empfindest du es trotz deiner Leidenschaft für das Skifliegen als Kräfte raubend, dass im diesjährigen Weltcup-Kalender so viele Skiflug-Veranstaltungen angesetzt wurden?

Koch: Ich persönlich halte die Wettkampf-Aufteilung in diesem Jahr für sehr gut. Sicherlich sehe ich das auch deswegen so, weil mir das Skifliegen liegt. Generell bin ich dafür, dass es mehr Abwechslung innerhalb der Saison gibt. Aus meiner Sicht gehören da auch die Normalschanzen dazu, die wir schon lange nicht mehr im Weltcup-Programm hatten. Der Kraftaufwand ist derselbe, ob nun Skifliegen oder normale Weltcups anstehen.

Du hast in Harrachov deinen ersten Weltcupsieg gefeiert, standest auch in Oberstdorf ganz oben auf dem Podest. Hat sich seitdem deine Haltung verändert, bist du beispielsweise befreiter geworden?

Koch: Ich bin definitiv ruhiger geworden. Der Weltcupsieg war ein großes Ziel von mir, auf das ich etwa zwölf Jahre lang hingearbeitet habe. Im vergangenen Herbst hatte ich eine Verletzung und konnte dadurch nicht so trainieren, wie ich mir das vorgestellt habe. In dieser Situation habe ich mir bereits die Einstellung angeeignet, dass man Ruhe bewahren muss. Der erste Weltcupsieg war natürlich ein Highlight, eigentlich kann ich jetzt beruhigt aufhören (lacht).

Ihr habt eine leistungsmäßig sehr stark besetzte Mannschaft. Wie gehst du mit der teaminternen Konkurrenz um?

Koch: Bei einer so starken Mannschaft weiß man als Springer natürlich nie sicher, ob man bei einem Wettkampf antreten kann. Man muss permanent seine Leistung bringen und spürt dadurch auch einen gewissen Druck. Wenn man aber verdient in unserem Team dabei ist, dann bedeutet das auch eine reelle Chance auf Podestplatzierungen.

Wir sind nur noch wenige Wochen von den Weltmeisterschaften in Oslo entfernt. Wie sehen deine persönlichen Erwartungen für die Titelkämpfe aus?

Koch: Wenn du als Österreicher zur WM fährst, ist die öffentliche Erwartungshaltung selbstverständlich groß. Bei uns ist es nicht leicht, in die Mannschaft zu kommen, die letztendlich bei den Wettkämpfen auch antreten darf. Das Skispringen hat in Oslo Tradition und die Stimmung am Holmenkollen ist eine ganz besondere. Daher werde ich mein Bestes geben, um dort vier Wettbewerbe bestreiten zu dürfen.

Wie beurteilst du die Entscheidungen der Jury, was die Handhabung des Anlauf-Reglements in dieser Saison angeht?

Koch: Ich möchte nicht in der Jury sein, das ist kein leichter Job. Durch die technischen Änderungen und das gestiegene Niveau wird es auch immer schwieriger, ganz besonders beim Skifliegen. Natürlich gibt es Punkte, die verbessert werden könnten. Die Jury handelt aber mit bestem Gewissen und hat das Wohl der Athleten im Sinn. Der Wettkampf in Garmisch war in dieser Saison jedoch ein Grenzfall. Wir sind aber nun mal eine Freiluftsportart, da wird es immer Probleme geben.

Es wurde viel über das Risiko der neuen Stabbindung diskutiert. Wie siehst du das?

Koch: Ich halte diese Bindung nicht für gefährlicher als die alte. Fortschritte bergen immer auch gewisse Risiken, das ist nicht nur im Skispringen so. Daher muss jeder Athlet für sich selbst entscheiden, ob er mit dieser neuen Bindung springen möchte.

Das Interview führten Mariele Stockinger und Silke Tegethof.
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