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Skispringen Kornspitz



Martin Schmitt: „Das Trainerteam zieht wieder an einem Strang“ (15.07.2009)

Im großen Exklusiv-Interview im Vorfeld des Sommer-Grand-Prix redet der deutsche Überflieger und aktuelle Vize-Weltmeister, Martin Schmitt, über die vergangene Saison, dem aktuellen Trainingsgeschehen und die kommenden Jahre.

Herr Schmitt, Sie haben in der letzten Saison das längere Formtief überwunden und wieder tolle Ergebnisse erzielt. Sind Sie auch selbst mit dem Verlauf der letzten Saison zufrieden?
Martin Schmitt: Ja, mit dem gesamten letzten Jahr war ich zufrieden. Ich konnte über lange Zeiträume auf gutem Niveau springen und habe den Anschluss zur Weltspitze wieder hergestellt.

Sind die guten Resultate des letzten Winters ein Ansporn für die neue Saison, oder übt die nun höher angelegte Messlatte einen größeren Druck auf Sie aus?
Schmitt: Sie sind eine Bestätigung, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Ich werde also da weitermachen, wo ich im letzten Jahr aufgehört habe und freue mich auf die anstehenden Wettkämpfe, vor allem auf die Olympischen Spiele.

Als größter Erfolg darf mit Sicherheit die Silbermedaille bei der WM in Liberec gezählt werden. Wo ordnen Sie die Medaille in der Reihe Ihrer Erfolge ein?
Schmitt: Es war wirklich ein toller Erfolg verbunden mit einem sehr guten Gefühl. Ich lebe in der Gegenwart, deshalb ist es schwer die Erfolge miteinander zu vergleichen. Es tut einfach sehr gut, zu wissen, dass man die Chance hat, ganz vorne dabei zu sein und sich mit der internationalen Konkurrenz auf Augenhöhe bewegt.

Selten zuvor hat ein Sportler solche sportlichen Höhen und Tiefen überwunden. Jetzt, wo Sie wieder in der Weltspitze angekommen sind: Was war das Erfolgsgeheimnis der letzten Saison?
Schmitt: Ich habe viel und intensiv an meiner Technik gearbeitet. Darüber hinaus konnte ich schnell Vertrauen in das neue Trainerteam fassen. Rolf Schilli ist ja neben seiner Funktion als Trainer der Nationalmannschaft auch mein Heimtrainer. Wir konnten daher wichtige Prozesse gut aufeinander abstimmen und konsequent einen Weg beschreiten.

Gregor Schlierenzauer konnte die letzte Saison dominieren. Was zeichnet den Österreicher aus Ihrer Sicht aus?
Schmitt: Das sind sicherlich mehrere Gründe: Zum einen ist er sicherlich ein riesengroßes Talent. Zum anderen ist er zielstrebig und konzentriert. Drittens hat er eine sehr gute Ausbildung und Förderung erfahren. Und last but not least ist Schlieri ein sympathischer Kerl und fairer Sportsmann.

Der neue Bundestrainer Werner Schuster ist inzwischen seit über einem Jahr im Amt. Was konnte er in dieser Zeit bewirken? Was macht ihn aus Ihrer Sicht als besonderen Trainer aus?
Schmitt: Werner Schuster ist ein absoluter Fachmann. Darüber hinaus versteht er es mit jedem Athleten eine individuelle Arbeitsbasis oder -grundlage zu finden. Auch das Trainerteam – nicht nur innerhalb der Nationalmannschaft – sondern bis ganz runter zu den Stützpunkten zieht wieder an einem Strang. Hier zeigt sich auch die Handschrift von Horst Hüttel, dem Sportlichen Leiter.

Wie läuft die Saisonvorbereitung bis jetzt?
Schmitt: Gut, danke!

Welche Ziele setzen Sie sich für den anstehenden Sommer-Grand-Prix und die Olympiasaison 2009/10?
Schmitt: Weiterhin auf hohem Niveau zu springen und ich möchte die Chancen, die sich mir bieten, nützen.

Die Saison 2009/10 scheint eine Saison der prominenten Comebacks zu sein. Sowohl Janne Ahonen als auch Alexander Herr wollen in den Sport zurückkehren. Wie schätzen Sie die Chancen der beiden ein?
Schmitt: Schwer zu sagen. Leicht wird es sicher für beide nicht. Ich denke, dass Janne Ahonen mit seiner ganzen Klasse und Erfahrung den Weg zurück in die absolute Weltklasse schaffen wird. Für den Alex geht es darum, sich für die Weltcup-Mannschaft zu empfehlen. Seine Zielsetzung, die Olympia-Teilnahme, halte ich für realistisch.

Auch wenn die beiden angekündigten Comebacks und die gute Form eines Takanobu Okabe in der letzten Saison anders vermuten lassen, ist Skispringen keine Sportart, die man ewig ausüben kann. Sie selbst sind jetzt 31 Jahre alt und seit über 10 Jahren im Weltcup aktiv. Wie lange planen Sie noch zu springen? Gibt es schon Pläne für das Leben danach?
Schmitt: Klar gibt es Pläne für die Zeit nach meinem Leben als aktiver Skispringer. Aber zunächst konzentriere ich mich auf die anstehende Saison mit dem Highlight Olympia. Und dann findet im nächsten Jahr die Weltmeisterschaft in Oslo statt – das wird sicherlich auch ein richtiger Knaller!

Sie und Sven Hannawald lösten vor einigen Jahren einen „Skisprungboom“ in Deutschland aus. Denken Sie, dass Sie dies mit den entsprechenden Ergebnissen in der heutigen Zeit wiederholen können?
Schmitt: In einer anderen Form ist uns das ja in Teilen wieder gelungen. Wenn sie die Begeisterung bei der Tournee oder der TelDaFax FIS-Team-Tour sehen. Die Faszination für unseren Sport ist geblieben und wenn die Ergebnisse stimmen, kann es auch wieder einen Boom geben.

Damals hatten Sie in Deutschland ja fast schon Popstar-Status, waren von kreischenden Fans umgeben und Mittelpunkt eines großen Medieninteresses. Würden Sie sagen, dass das Abflauen des Interesses in den letzten Jahren für Sie eher angenehmer war, so dass Sie ungestörter leben und ihren Sport ausüben konnten, oder wünschen Sie sich manchmal die „alten Zeiten“ zurück?
Schmitt: Jede Zeit hat ihre Helden. Ich fühle mich momentan sehr wohl. Was die Zukunft bringt, kann niemand sagen.

Wie Sie mit Sicherheit mitbekommen haben, arbeitet die FIS derzeit an einigen Regeländerungen. So soll es in Zukunft möglich sein, den Anlauf während eines Wettbewerbs zu ändern; außerdem sollen die Windbedingungen mit Hilfe einer mathematischen Formel in die Berechnung des Endergebnisses miteinbezogen werden. Was halten Sie davon? Dient es dem Skisprungsport oder ist es eher „abschreckend“ für die Zuschauer?
Schmitt: Grundsätzlich muss etwas geschehen. Die vielen windbedingten Unterbrechungen machen die Zuschauer mürbe. Allerdings muss der Wettkampf für alle nachvollziehbar bleiben und da habe ich meine Zweifel, ob dies mit dem neuen System gelingt. Die bereits geplante Änderung im Materialbereich, eine kürzere Gesamtskilänge, wäre einfacher und vielleicht genauso wirkungsvoll. Leider wird sie in diesem Jahr noch nicht realisiert.

Das Interview führte Marco Ries.
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Continentalcup 2011/2012 (F)
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Sommer-Grand-Prix 2011
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