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Skispringen Kornspitz



Ulrike Gräßler: "Jetzt gibt es keine Ausreden mehr" (27.06.2011)

Mit 15 Continentalcup-Siegen und ihrer Silbermedaille beim ersten WM-Springen der Damen 2009 in Liberec ist Ulrike Gräßler die erfolgreichste deutsche Skispringerin. Die 24-Jährige vom VSC Klingenthal kann zudem auf eine beeindruckende Konstanz in der Weltspitze zurückblicken: Seit ihrem Debüt im Continentalcup 2004/2005 war sie beständig in den Top Ten der Gesamtwertung der höchsten Liga des Damenskispringens vertreten. Einen Wermutstropfen gab es für die Bundespolizistin im vergangenen Winter ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt in Oslo: Dort konnte sie - nach dem ersten WM-Durchgang noch auf dem Bronze-Rang liegend - ihre WM-Medaille von Liberec nicht verteidigen.

Im exklusiven Interview mit SKIJUMPING.de spricht Ulrike Gräßler über diese für sie bittere Erfahrung, blickt voraus in die Zukunft und erklärt, weshalb die Mixed-Wettbewerbe einen so hohen Stellenwert für sie haben.



Ulrike, wie sehr nagt die verpasste WM-Medaille in Oslo noch an dir?

Ulrike Gräßler: Es tut immer noch ein bisschen weh. Diese gute Ausgangslage mit Platz drei nach dem ersten Durchgang - und dann dieser zweite Sprung, bei dem ich gar nicht wusste, was los ist. Zuerst dachte ich, es hat an mir selbst gelegen. Dann habe ich zwar gesehen, dass es die äußeren Umstände waren - aber sowas schmerzt trotzdem extrem. Wahrscheinlich wäre es das Beste gewesen, wenn der Wettbewerb abgebrochen worden wäre. Lindsey Van meinte, dass es wie beim Lotto-Spielen war. Das trifft es sehr gut. Aber ändern kann ich es jetzt auch nicht mehr.

Und der Rest des letzten Winters, wie zufrieden bist du damit?

Gräßler: Ehrlich gesagt hätte ich mir schon ein bisschen mehr erhofft. Ich wurde ja im Januar durch einen Sturz zurückgeworfen, bin dann rechtzeitig für Oslo fit geworden. Das Dilemma dort passte dann allerdings zum Rest der Saison: Es lief irgendwie nie richtig rund. Es hat vielleicht nicht sollen sein, auch wenn ich am Ende in der Continentalcup-Gesamtwertung auf Platz sieben lag.

Du wirkst nach außen sehr ehrgeizig. Revanchierst du dich 2013 bei der WM in Predazzo oder 2014 bei Olympia in Sotschi für Oslo?

Gräßler: (Lacht) Ja, also in Predazzo möchte ich auf jeden Fall um die Medaillen mitkämpfen. Und im Hinblick auf Sotschi wäre schon die Teilnahme ein Erfolg. Mehr nehme ich mir jetzt noch nicht vor, denn im Skispringen kann sehr schnell mal was dazwischenkommen. Ein Sturz zum ungünstigen Zeitpunkt - und dann war’s das. Zudem ist die Konkurrenz in Deutschland groß, wir haben guten Nachwuchs. Wer weiß, was bis 2014 alles kommt. Zunächst einmal konzentriere ich mich auf die nächste Saison. Allein schon die Tatsache, dass wir erstmals einen Weltcup haben, spornt mich an.

Richtige Höhepunkte wie eine WM fehlen aber im kommenden Winter…

Gräßler: Stimmt, viele sehen die nächste Saison als eine Art Übergangsjahr. Natürlich ist die Konkurrenz fast identisch, aber ich finde es einfach reizvoller, einen Weltcup anstatt eines Continentalcups zu gewinnen. Besonders freue ich mich auch auf die neuen Mixed-Wettbewerbe:  Die bringen frischen Wind in den Skisprungsport. Mein Ziel ist es, mich dort für einen Startplatz zu qualifizieren - die werden bei uns in Deutschland heiß umkämpft sein.

"Kleinere Nationen haben Chancen aufs Podest"

Was erhoffst du dir von den Mixed-Springen?

Gräßler: Dass sich dadurch der Stellenwert des Damenskispringens erhöht. Das Tolle ist ja, dass im Mixed-Springen wohl auch kleinere Skisprungnationen Chancen aufs Podest haben. Nun investieren immer mehr nationale Verbände in den Sport. So nach dem Motto: Hey, wir haben zwar vielleicht bei den Männern keine Chance - aber bei den Frauen könnte es ja klappen. Das kann dem Damenskispringen nur gut tun. Natürlich spielt da auch die Aufnahme ins olympische Programm eine große Rolle.

Ihr habt lange dafür gekämpft. Was versprichst du dir von Olympia im Speziellen?

Gräßler: Jetzt gibt es keine Ausrede mehr von den Verbänden, uns nicht angemessen zu fördern. Ich möchte da aber betonen, dass  der DSV in Sachen Förderung schon immer hinter uns stand - vielleicht kommt nun eben noch der eine oder andere Sponsor dazu. Insgesamt gesehen ist Olympia natürlich ein großer Schritt in der Entwicklung des Damenskispringens, über den ich mich sehr freue. Natürlich muss man auch Geduld haben, Änderungen brauchen Zeit.

Was wird sich für euch Springerinnen an der Schanze ändern?

Gräßler: Gespannt bin ich vor allem darauf, wie sehr das Medieninteresse steigt. Bis jetzt musste ich in einer ganzen Saison vielleicht drei Interviews nach Springen geben (lacht). Und darauf, wie viele Leute uns beim Springen zusehen. Ich hoffe, dass da auch das Fernsehen seinen Teil dazu beiträgt.

Weißt du etwas von geplanten TV-Übertragungen?

Gräßler: Soweit ich weiß, soll es zumindest bei den Springen in Deutschland und in Hinzenbach im Winter Live-Übertragungen geben. Ansonsten hoffe ich, dass es wenigstens Zusammenfassungen von den Wettkämpfen gibt, etwa wie beim Rodeln.

Denkst du, dass das Damenskispringen ähnlich populär wie das Männerskispringen werden kann - oder vielleicht sogar populärer?

Gräßler: Das ist schwer zu sagen. Ich hoffe aber, dass der Konkurrenzkampf zwischen Männern und Frauen im Rahmen bleibt. Es sollte vielmehr ein Miteinander sein, von dem beide Seiten profitieren. Aber wer weiß, vielleicht kommt es ja ähnlich wie damals beim Damen-Biathlon - das kannte am Anfang niemand. Und dann wurde es der große Run, hat den Männern im Grunde den Rang abgelaufen. Mal sehen, das Potenzial ist jedenfalls groß.

"Eigentlich dürfen wir uns im Moment nicht beschweren"

Angesichts der vielen Erfolge, die ihr Damen nun in neuester Zeit im Hinblick auf eure Entwicklung verbuchen konntet - magst du da überhaupt weitere Verbesserungen des Sports fordern?

Gräßler: (Lacht) Ja, eigentlich dürfen wir uns im Moment gar nicht beschweren. Aber ein bisschen was kann man natürlich immer verbessern. Irgendwann wäre natürlich auch mal ein WM-Teamwettbewerb super. Und größere Schanzen. Am Anfang müssen es zwar nicht gleich K120-Schanzen sein, aber ein paar mehr größere Normalschanzen wären schon schön. Zurzeit haben wir ja eher viele kleinere K90-Schanzen im Wettkampfkalender.

Und der Traum vom Fliegen?

Gräßler: Ja, den habe ich auch noch (lacht). Bis jetzt bin ich noch nie skigeflogen. Aber bevor ich aufhöre, möchte ich das auf alle Fälle einmal erlebt haben. Immerhin bin ich ja schon auf einer Fast-Flugschanze gesprungen: Willingen. Meine bester Flug dort, 146 Meter, der war auch nicht ohne.

Adam Malysz kritisierte kürzlich, dass das Damenskispringen noch ein vergleichsweise niedriges Niveau habe, gerade in der Breite. Wie kann das verbessert werden?

Gräßler: Es ist in der Tat leichter, bei uns unter die Top 20 zu springen. Aber vorne geht’s genauso eng zu wie bei den Männern. Eine WM-Medaille einfach mal so mitzunehmen? Das läuft nicht. Die Entscheidung für Olympia und einen eigenen Weltcup war richtig - und die Basis für mehr Qualität in der Breite. Denn jetzt werden wohl  mehr und mehr kleine Mädels ihre Eltern nach dem Skispringen fragen.  Und die Eltern werden im Optimalfall ihre Kinder ins Skiinternat schicken.

Was sind deine ersten Eindrücke vom neuen Trainer Andreas Bauer?

Gräßler: Zuerst muss ich sagen, dass ich auch mit dem bisherigen Cheftrainer Daniel Vogler über all die vielen Jahre sehr gut ausgekommen bin. Ohne ihn hätte ich 2009 in Liberec sicherlich nicht die Silbermedaille gewonnen. Aber neuer Wind ist immer gut. Da ich jedoch wegen des verspäteten Einstiegs noch auf keinem Trainingslehrgang war, kann ich Andreas Bauers Arbeit noch nicht großartig beurteilen. Wir haben uns erst einmal getroffen und uns dabei auch über unsere Vorstellungen unterhalten. Die Ansichten stimmen im Grundsatz überein.

Welche Bedeutung haben die Sommerwettbewerbe für dich?

Gräßler: Eigentlich wollte ich die größtenteils auslassen. Nach dem Gespräch mit Andreas Bauer habe ich mich allerdings  umentschieden - zumindest die beiden Springen in Polen werde ich mitmachen. Da möchte ich dann auch gleich vorne mitspringen, sonst droht schnell die Gefahr, dass von außen Kritik kommt. Gute Platzierungen sind auch wichtig für’s Selbstvertrauen.

"Ich konnte nie richtig durchatmen"

Wie läuft deine Saisonvorbereitung?

Gräßler: Ich bin dieses Jahr erst später mit dem Training eingestiegen, weil ich nach dem Winter gespürt habe, dass die letzten Jahre doch sehr anstrengend waren. Ich konnte ich nie richtig durchatmen, da sich meine Polizeiausbildung immer nahtlos an eine Wintersaison angeschlossen hat. Das Mehr an Entspannung sollte mir aber helfen, den Trainingsrückstand bald aufzuholen.

Welche Trainingsschwerpunkte setzt du dir momentan?

Gräßler: Ich möchte einfach spritzig werden, einen guten Einstieg auf der Schanze haben. Im Moment steht vor allem Schnellkrafttraining auf dem Programm.

Und wie entspannst du in deiner Freizeit - fernab vom Skispringen?

Gräßler: Ich genieße es, mit Freunden und Familie etwas zu unternehmen. Das ist in den letzten zehn Jahren auch durch die Polizeiausbildung leider zu kurz gekommen. Jetzt habe ich zum Glück mehr Zeit.

Weshalb bist du eigentlich zum Skispringen gekommen?

Gräßler: Damals mit sechs Jahren bin ich zu den Wettkämpfen meines Bruders mitgefahren. Bei Probe-Simulationssprüngen habe ich es dann selbst mal ausprobiert und hatte total viel Spaß dabei. Dann hat mich ein Trainer gefragt, ob ich es nicht mal von der Schanze versuchen möchte.

Du warst gar nicht aufgeregt damals?

Gräßler: Nein.

Was macht für dich den Reiz des Skispringens aus?

Gräßler: Das ist eine schwierige Frage. In jedem Fall ist Skispringen etwas Einzigartiges. Entweder man hat es von klein auf gelernt, oder man kann es nicht professionell betreiben. Und wenn man seine Karriere beendet, dann kann man nicht einfach mal einen Sprung zum Spaß machen - ganz anders  wie zum Beispiel die Alpinen, die können nachher weiter skifahren. Und das Adrenalin, wenn man gut und weit springt, ist der Hammer. Man macht zwar Hunderte von Sprüngen in seiner Karriere, aber ab und zu ist dann mal einer dabei, bei dem alles gelingt - das Gefühl ist einfach genial.

Du warst kürzlich in der Jury bei einem sozialen Projekt gegen das Komasaufen von Jugendlichen. Wie wichtig ist dir soziales Engagement im Allgemeinen?

Größler: Das ist mir schon sehr wichtig. Man tut dabei nicht nur Gutes, sondern lernt  immer wieder  interessante Sachen und Menschen kennen. Und: Man sieht, wie gut es einem selber geht. Wenn es mein Terminkalender zulässt, dann engagiere ich mich also gerne. Ich könnte mir auch mal eine Patenschaft für ein größeres Projekt vorstellen.

"Manchmal muss man einen Schritt zurück machen, um voranzukommen"

Hast du eine persönliche Lebensweisheit, nach der du lebst?

Gräßler: Ja, zwei. Die erste: "Man sieht sich immer zwei Mal im Leben." Ich meine damit vor allem, dass man niemanden vorschnell abschreiben sollte.
Die zweite: "Lache nie über denjenigen, der einen Schritt zurückgeht - er könnte Anlauf nehmen." Manchmal muss man im Leben auch einen vermeintlichen Schritt zurück machen, um voranzukommen. Auch wenn sich dabei andere an die Stirn fassen, nach dem Motto: Häh? Was macht sie denn jetzt?

Hast du einen persönlichen Wunsch für die Zukunft?

Gräßler: Gesund bleiben, das ist das Wichtigste. Und weiterhin Spaß am Springen haben. Dann bin ich zuversichtlich, dass ich auch in ein paar Jahren noch mit dabei bin.

Das Interview führte Johannes Aigner.
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ÖSV-Trainingsauftakt, 16.05.2012
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Weltcup 2011/2012 (M)
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Bardal
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Schlierenzauer
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Kofler
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Ito
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Freitag
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Kranjec
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Nationencup 2011/2012 (M)
01
Österreich
6935 P.
02
Norwegen
4530 P.
03
Deutschland
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04
Slowenien
3412 P.
05
Japan
2827 P.
06
Polen
2638 P.
07
Tschechien
2178 P.
08
Russland
918 P.
09
Schweiz
753 P.
10
Finnland
611 P.

Weltcup 2011/2012 (F)
01
Hendrickson
1169 P.
02
Iraschko
779 P.
03
Takanashi
639 P.
04
Gräßler
546 P.
05
Van
482 P.
06
Sagen
454 P.
07
Pozun
422 P.
08
Faißt
409 P.
09
Jerome
395 P.
10
Mattel
328 P.

Continentalcup 2011/2012 (M)
01
Stjernen
1017 P.
02
Gangnes
899 P.
03
M. Hayböck
834 P.
04
Mandl
684 P.
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Meznar
606 P.
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Naglic
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Loitzl
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Johansson
559 P.
09
Ingvaldsen
549 P.
10
Swensen
542 P.

Continentalcup 2011/2012 (F)
01
Iraschko
440 P.
02
Hendrickson
420 P.
03
Vtic
256 P.
04
Takanashi
220 P.
05
Rogelj
211 P.
06
Pozun
206 P.
07
Bogataj
182 P.
08
Seifriedsberger
152 P.
09
Vuik
139 P.
10
Sagen
136 P.

Sommer-Grand-Prix 2011
01
Morgenstern
620 P.
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Stoch
505 P.
03
Hilde
443 P.
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Schlierenzauer
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Zyla
298 P.
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Takeuchi
281 P.
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Freitag
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