Benutzer-Login:

NEWSLETTER
JOBS
WERBUNG
IMPRESSUM
Startseite
News
Termine
FIS Live-Ticker
Experten-Kolumnen
Interviews
Bildergalerie
Wissenswertes








Skispringen Kornspitz



Alexander Stöckl: "Es ist nicht mit Österreich vergleichbar" (16.08.2011)

Alexander Stöckl ist ehemaliger österreichischer Skispringer und seit April neuer Cheftrainer in Norwegen und damit Nachfolger von Mika Kojonkoski. Im exklusiven Interview mit SKIJUMPING.de-Redakteurin Julia Robel spricht Stöckl über seine Trainingsphilosophie, den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu Österreich, seine bisherigen Erfahrungen und Zielsetzungen.



Alex, seit einigen Monaten bist Du nun Trainer der norwegischen Nationalmannschaft. Was hat Dich zu diesem Schritt bewogen?

Alexander Stöckl: Die Herausforderung als Cheftrainer für ein Land arbeiten zu dürfen. Das ist einfach eine riesen Sache, diese Möglichkeit zu bekommen.

Ist da Norwegen eine besondere Nation?

Stöckl: Ja, Norwegen ist das Mekka des Skispringens. Ich denke, das ist wie im Fussball, wenn man von Bayern München gefragt wird, ob man Trainer werden will. Außerdem gefallen mir das Land und die Menschen dort sehr. Ich dachte immer, dass Norwegen eines meiner Wahlländer wäre, wenn ich die Chance bekommen würde, ins Ausland zu gehen.

Mika Kojonkoski ist einer der größten Trainer seiner Zeit, gilt als Trainergott. Nun trittst Du sein Erbe an – ist das eine besondere Herausforderung? Ihr kennt Euch ja auch persönlich gut.

Stöckl: Selbstverständlich. Ja, wir kennen uns sehr gut. Ich habe ja als Co-Trainer schon zwei Jahre Erfahrung mit ihm sammeln dürfen und er ist eine sehr starke Persönlichkeit. Aus meiner Sicht wirklich ein Vorbild und deswegen ist es natürlich eine riesen Sache, in seine Fußstapfen zu treten. Und ich fürchte ich muss quer einsteigen, damit man meine Füße sieht (lacht).

"Man wusste, dass man Defizite hatte"

Die norwegischen Medien haben sich einen Landsmann als zukünftigen Trainer gewünscht, viele auf Geir Ole Berdahl spekuliert – hat Dir das die Situation zu Beginn erschwert?

Stöckl: Nein. Ich habe selber direkt nie etwas gemerkt, auch im Gespräch mit den Medien nicht. Der Verband hat dargelegt, warum sie diese Entscheidung getroffen haben. Man wusste, dass man in gewissen Bereichen Defizite hatte und gesehen, dass es in Österreich sehr gut funktioniert. Sie erhoffen sich natürlich den Erfahrungsschatz, indem sie einen Trainer von dort holen.

Wie läuft die Arbeit mit dem Team bisher?

Stöckl: Sehr gut. Mit den Athleten ist es eine tolle Zusammenarbeit. Die Stimmung in der Mannschaft ist gut, die Springer sind untereinander sehr gut befreundet. Es ist eine sehr angenehme Atmosphäre, wenn man sich beim Mittagessen über Dinge unterhalten kann, die nichts mit Skispringen zu tun haben. Jeder in der Mannschaft hat seinen Platz und jeder lässt jeden in seiner Rolle leben – das ist das Entscheidende.

Und die Zusammenarbeit mit Magnus Brevig? Brauchst Du jemanden an deiner Seite, der die Springer und den Verband bereits länger kennt?

Stöckl: Auf jeden Fall. Das war mir schon wichtig, dass der Assistent Norweger ist, der mit dem Verband gearbeitet hat. Ich denke, dass man jemanden braucht, wenn man von außen kommt. Er stellt sozusagen ein Verbindungsstück her, ist eine Art Botschafter zwischen Verband und Cheftrainer.

"Es steckt viel Kultur im Skisprungsport"

Die Norweger haben generell eine eher flache Flugkurve, die Österreicher sind sehr stark im Absprung – wo liegen weitere Unterschiede?

Stöckl: Ich denke, dass Norwegen generell nicht mit Österreich vergleichbar ist. Es steckt viel Kultur im Skisprungsport. Was die angesprochenen Fähigkeiten betrifft muss man einfach daran arbeiten sich in allen Bereichen zu verbessern, ein starker Absprung reicht nicht aus um weit zu fliegen und gutes Fluggefühl ebenso wenig.

Welche Änderungen kommen auf die Mannschaft zu, was ändert sich in den Trainings- und Tagesabläufen?

Stöckl: Also im Tagesablauf haben wir nicht viel geändert. Der Rhythmus bei den  Trainingskursen ist der gleiche. Das sind meistens zwei Trainingseinheiten, manchmal drei mit einer Abendeinheit, einer physischen Einheit. Vom Training selber haben wir das Konditionstraining verändert, da arbeiten wir in eine andere Richtung. Das Schwierige am Skispringen ist, dass es sehr viele Faktoren gibt, die das Springen beeinflussen. Und wenn man dann anfängt an nur einem Rad zu schrauben, dann verändert sich der gesamte Mechanismus. Deswegen geht’s halt Auf und Ab. Das sind die Faktoren Sprungtechnik und Konditionstraining – und das ist für uns noch eine große Baustelle.

Es kommt hier immer wieder die Frage aus, ob man österreichische Methoden adaptiert, um Erfolg zu haben. Wie sieht das bei Dir aus?

Stöckl: Ich denke das Österreichische Methoden nur auf Österreicher anwendbar sind. Man kann nur aus Erfahrungen schöpfen, die man gemacht hat und versuchen diese in einem anderen Umfeld so umzusetzen, dass sie zum Erfolg führen. Ich sehe im Moment in Norwegen eher strukturelle Herausforderungen um langfristig erfolgreich zu sein. Dort anzusetzen wird allerdings Zeit benötigen. Deswegen kann man nicht von heute auf Morgen mit einem großen Schub rechnen. Aber wir arbeiten daran.

Welche neuen Chancen möchtest du dem Team eröffnen?

Stöckl: Die Athleten, die schon länger in der Mannschaft sind, können durch einen anderen Ansatz sicherlich neue Motivation schöpfen. Ich bin offen für neue Talente, die jüngeren Springer bekommen die Chance, gemeinsam mit den Top-Athleten trainieren zu können und mit zu den Wettbewerben zu fahren. Wir möchten unsere Aufstellung bei den Sommer-Wettbewerben variieren und so möglichst vielen Athleten die Chance geben, Erfahrung auf der Wettkampfebene zu sammeln.

"Sie sind bereit, neue Wege zu gehen"

Nehmen die älteren Springer, also Bardal oder Romoeren, noch neuen Input an oder sind sie sehr festgefahren in ihrem Sprungstil?

Stöckl: Sie sind eigentlich sehr offen. Bis jetzt hatte ich ständig das Gefühl, dass sie bereit sind, neue Wege zu gehen. Alle Athleten sind offen für Veränderungen und das verschafft uns natürlich ein gutes Arbeitsklima.

Die Ergebnisse der Polen-Tour waren eher durchwachsen.

Stöckl: Wir hatten zu wenig Zeit. Wir mussten erst eine gemeinsame Arbeitsbasis schaffen und dazu braucht man Zeit. Die ersten Bewerbe kamen somit etwas zu früh, um auf höchstem Niveau kompetitiv zu sein. Das war aber auch nicht das Ziel, denn nach diesem Trainerwechsel kann man nicht gleich Top-Ergebnisse erwarten. Natürlich haben wir gehofft, dass wir im Mannschaftswettbewerb besser dastehen. Hinzu kam etwas Pech mit dem Wind. Dazu die schwierige Situation mit der Geschichte in Oslo, das ist nicht ganz spurlos an ihnen vorrüber gegangen. Aber auch das war nur einer von vielen weiteren Faktoren. Die Athleten sehen das aber selbst objektiv und können die Dinge einschätzen. Die Arbeit geht weiter und die Jungs sind nach wie vor sehr motiviert.

Wie groß ist der Verlust eines Anders Jacobsen?

Stöckl: Für mich eigentlich nicht so groß.  Natürlich war er ein Leistungsträger in der Mannschaft, aber wenn jemand die Entscheidung trifft, dass er aus Motivationsgründen nicht bereit ist auf dem Niveau zu trainieren, dann ist es für ihn selbst und für die Mannschaft besser, wenn er nicht dabei ist.

Bjoern Einar Romoeren äußerte sich in den norwegischen Medien mit einem flapsigen Spruch darüber, dass er einen harten Trainingsplan für die Flitterwochen von Dir bekommen hat.

Stöckl: (lacht) Das Konditionstraining ist jetzt etwas intensiver. In den letzten Jahren war der Konditionsblock zeitlich anders angesetzt und nicht so intensiv. Wir nehmen das Sommer-Skispringen jetzt zwar mit, aber der Fokus liegt nicht darauf. Daher steht für Romoeren auch in dieser Zeit Konditionstraining auf dem Programm, das er aber sehr gewissenhaft durchzieht. Sein Wunsch war es, mehr Zeit ins Training zu investieren – nächste Woche trainiert er zum Beispiel mit dem B-Kader.

Tom Hilde hatte beim Training in Hinterzarten Probleme mit der Bindung, kam zu Sturz. Was ist passiert?

Stöckl: Das war eine schwierige Situation. Er hat einen neuen Schuh ausprobiert und die Kombination aus Schuh und Bindung war nicht stabil genug. Das haben wir vorher leider nicht feststellen können und so hat sich die Bindung im Flug gelöst und ihm hat es den rechten Ski um die Ohren gehauen. Er hat sich die Rippen geprellt, aber mittlerweile geht es im wieder gut. Nur über Witze kann er noch nicht lachen (lacht).

"Mehrere Bereiche, wo noch Potential steckt"

Wo haben die Athleten noch Aufholbedarf?

Stöckl: Es gibt mehrere Bereiche, wo noch Potential steckt. Aber wie bereits gesagt geht es darum die richtigen Dinge zum richtigen Zeitpunkt umzusetzen, um nicht alles aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Was sind Deine Ziele für die Saison?

Stöckl: Das ist eine schwierige Frage. Es wäre ein Erfolg, wenn wir direkt nach all den Änderungen das Niveau der letzten Jahre halten könnten. Natürlich wäre es auch super, wenn wir gelegentlich den Österreichern lästig werden können. Das ist das Ziel. An Platzierungen kann und will ich es nicht festmachen.

Großes Ziel für die Jungs ist sicher die Skiflug-Weltmeisterschaft im eigenen Land.

Stöckl: Ja, wieder Weltmeisterschaften im eigenen Land. Johan Remen Evensen ist schon ganz scharf, er will seinen Rekord verteidigen. Die Schanze ist für ihn gebaut. Natürlich ist es ein großes Ziel, dort mit der Mannschaft gut da zu stehen. Talente gibt es, Potenzial ist da, man muss es nur in die richtigen Bahnen lenken.

Du wirst ab Ende August vollständig nach Norwegen ziehen. Sprichst Du schon Norwegisch?

Stöckl: Richtig, wir haben die Wohnung schon seit Mitte Juli. Die Umzugskisten stehen schon drin, sind aber noch nicht ausgepackt. Wir haben in der Nähe von Oslo eine tolle Wohnung gefunden, mit Sicht auf den Fjord und Wald dahinter. Die Wohnung in Telfs übergeben wir nächste Woche, dann gibt es kein Zurück mehr. Das Verständnis mit den Athleten ist schon ganz gut und aus dem Kontext heraus verstehe ich meist, um was es geht. Natürlich fehlen noch viele Vokabeln, aber wenn ich einkaufen gehe, komme ich mit meinen Norwegisch-Kenntnissen schon ganz gut durch.

Also dafür dass Mika immer sagte, er hat ein riesen Problem mit der Sprache, ist das nicht schlecht.

Stöckl: Jeg snakker litt norsk, men jeg lærer alle dager så det går bedre og bedre (Anm. d. Red.: Ich spreche ein wenig Norwegisch, aber ich lerne jeden Tag, so geht es besser und besser).

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!
Neueste Bildergalerie
ÖSV-Trainingsauftakt, 16.05.2012
ÖSV-Trainingsauftakt, 16.05.2012

Umfrage
Anders Jacobsen erhält einen Startplatz in Norwegens COC-Mannschaft. Richtige Entscheidung?
Ja, so kann er sich gut entwickeln
Nein, er sollte in die Nationalmannschaft

» Ergebnisse zeigen «

Weltcup 2011/2012 (M)
01
Bardal
1325 P.
02
Schlierenzauer
1267 P.
03
Kofler
1203 P.
04
Ito
1131 P.
05
Stoch
1078 P.
06
Freitag
1031 P.
07
Morgenstern
1014 P.
08
Freund
857 P.
09
Kranjec
829 P.
10
Koudelka
796 P.

Nationencup 2011/2012 (M)
01
Österreich
6935 P.
02
Norwegen
4530 P.
03
Deutschland
4353 P.
04
Slowenien
3412 P.
05
Japan
2827 P.
06
Polen
2638 P.
07
Tschechien
2178 P.
08
Russland
918 P.
09
Schweiz
753 P.
10
Finnland
611 P.

Weltcup 2011/2012 (F)
01
Hendrickson
1169 P.
02
Iraschko
779 P.
03
Takanashi
639 P.
04
Gräßler
546 P.
05
Van
482 P.
06
Sagen
454 P.
07
Pozun
422 P.
08
Faißt
409 P.
09
Jerome
395 P.
10
Mattel
328 P.

Continentalcup 2011/2012 (M)
01
Stjernen
1017 P.
02
Gangnes
899 P.
03
M. Hayböck
834 P.
04
Mandl
684 P.
05
Meznar
606 P.
06
Naglic
597 P.
07
Loitzl
570 P.
08
Johansson
559 P.
09
Ingvaldsen
549 P.
10
Swensen
542 P.

Continentalcup 2011/2012 (F)
01
Iraschko
440 P.
02
Hendrickson
420 P.
03
Vtic
256 P.
04
Takanashi
220 P.
05
Rogelj
211 P.
06
Pozun
206 P.
07
Bogataj
182 P.
08
Seifriedsberger
152 P.
09
Vuik
139 P.
10
Sagen
136 P.

Sommer-Grand-Prix 2011
01
Morgenstern
620 P.
02
Stoch
505 P.
03
Hilde
443 P.
04
Schlierenzauer
400 P.
05
Zyla
298 P.
06
Takeuchi
281 P.
07
Freitag
265 P.
08
Karelin
256 P.
09
Kot
222 P.
10
Freund
216 P.


SKIJUMPING.DE SPONSOREN / PARTNER
skoki narciarskie



Copyright © 2008-2012 SKIJUMPING.de. Alle Rechte vorbehalten. Die Nutzung der Webseite wird gemessen durch IVW und AGOF.
apexx CMS & Portalsystem by Stylemotion.de