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Skispringen Kornspitz



Elena Runggaldier: "Mein Leben ist stressiger geworden" (15.09.2011)

Die 21-jährige Elena Runggaldier aus Südtirol hat Geschichte geschrieben: Im Februar gewann sie als erste italienische Sportlerin eine Medaille bei einer Skisprung-Weltmeisterschaft – von den Männern hat das bisher noch niemand geschafft. Es folgten Auszeichnungen wie der Marisa-Bellisario-Award sowie eine Einladung in den Vatikan. Welche Auswirkungen die Silbermedaille von Oslo auch privat für die junge Grödnerin hat, wie sie durch einen vermeintlichen Aprilscherz zu ihrem Sport kam und weshalb es für sie nichts Schöneres gibt, als in Italien Skispringerin zu sein, das erzählt Elena Runggaldier im exklusiven Interview mit SKIJUMPING.de-Redakteur Johannes Aigner.



Elena, seit deiner Silbermedaille bei der WM in Oslo bist du plötzlich sehr gefragt – unter anderem warst du sogar beim Papst eingeladen und hast in Italien diverse Auszeichnungen bekommen. Was bedeutet dir das alles?

Elena Runggaldier: Es freut mich sehr. Denn die Auszeichnungen zeigen mir, dass meine Medaille auch nach den Tagen von Oslo noch einen Wert hat. Darüber hinaus war es natürlich was ganz Besonderes, zusammen mit allen italienischen Ski-WM-Medaillengewinnern des letzten Winters im Vatikan zu sein – und dort an Orte zu kommen, wo das Publikum normalerweise nicht hingehen darf. Aber: Durch den ganzen Rummel ist das Leben für mich auch ein bisschen stressiger geworden.

Auch in deinem Alltag?

Runggaldier: Ja – ein gutes Beispiel ist die Fanpost. Bis Oslo habe ich hauptsächlich Briefe aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bekommen, jetzt kommt auch aus meinem Heimatland Post.  In Italien wussten die meisten Leute bis zu meinem Medaillengewinn nicht mal, dass es die Sportart Frauenskispringen überhaupt gibt. Aber jetzt ist das zum Glück anders. Neulich kam sogar Post aus New York.

Die steigende Beachtung des Frauenskispringens macht sich auch in den Verbänden bemerkbar – fast überall wurden kürzlich neue, meist erfahrene Trainer eingestellt, wie auch bei euch. Wie klappt die Zusammenarbeit mit deinem neuen Trainer Julien Eybert Guillon?

Runggaldier: Super. Denkt man an Sotschi 2014, war es absolut die richtige Entscheidung, ihn zu verpflichten. Der vorige Trainer war ja schon neun Jahre im Amt. Jetzt weht ein frischer Wind im Team und alle sind sehr motiviert.

"Mit uns haben die Männer vielleicht eine Chance"

Inwieweit machst du dir jetzt schon Gedanken um Olympia?

Runggaldier: Klar trainieren wir alle darauf hin - und dort will ich natürlich auch was erreichen. Aber grundsätzlich schaue ich von Jahr zu Jahr. Wenn es dann so weit ist, dann sehe ich, wie meine Form ist und kann konkrete Ziele formulieren. Bis dahin ist es mir wichtig, gesund zu bleiben und mit Freude zu springen. Dann kommen auch gute Ergebnisse.

Ihr habt im italienischen Team viele Springerinnen, die vorne in der Weltspitze mitmischen. Mit Blick auf die geplanten Mixed-Teamspringen dürfte das eure männlichen Springerkollege - die ja in ihrer Sparte leistungsmäßig etwas zurückliegen - wohl ganz besonders freuen, oder?

Runggaldier: Ja, unsere Männer freuen sich wirklich sehr darüber! Denn mit uns zusammen haben sie vielleicht wirklich die Chance, um Medaillen mitzuspringen. Für uns Mädels wäre dagegen ein reiner Teamwettbewerb eigentlich besser (lacht). Aber wir freuen uns auch so auf die Mixed-Springen.

Sind die Schanzen, von denen ihr derzeit im Continentalcup bzw. ab Winter im Weltcup springt, von der Größe her ausreichend?

Runggaldier: Ich würde schon gerne von größeren Schanzen springen. K90-Schanzen sollten es eigentlich mindestens sein, dazu auch ein paar Großschanzen. Bei Anlagen wie in Bischofsgrün (K65, Anm. d. Red.) liegen oft zehn Athletinnen weitenmäßig nur drei Meter auseinander – das ist dann ein bisschen langweilig. Größere Schanzen sind auch einfach schöner zu springen, und für die Zuschauer ist’s spektakulärer.

Haben Frauen das Potenzial, eines Tages den Männern beim Skispringen den Rang abzulaufen?

Runggaldier: In ein paar Jahren könnte es schon sein, dass wir annähernd so populär sind wie die Männer. Durch die Fernsehübertragungen werden die Leute dann auch mehr auf uns aufmerksam werden. Ich persönlich finde es auch schön, wenn wie bei der WM in Oslo viele Zuschauer dabei sind. Das fühlt sich gut an.

"Eine gute Pizza muss auch mal sein"

Es ist allgemein bekannt, dass sich einige der männlichen Kollegen einen perfekten Skisprungkörper zurechthungern. Findest du, dass auch einige Mädels zu dünn sind?

Runggaldier: Nein, bei uns ist das eigentlich kein Problem, allein schon deshalb nicht, weil die BMI-Tabelle für uns nicht so streng ist. Für die Männer gelten ja die gleichen Werte, aber die wiegen ja allein schon vom Skelett her mehr als wir. Klar, dass die da manchmal hungern müssen. Es ist jetzt nicht so, dass wir uns deshalb den Bauch vollschlagen – aber wir dürfen schon normal essen, müssen uns darüber nicht den Kopf zerbrechen und keine Diäten machen. Und das ist auch gut und wichtig, gerade für uns Italienerinnen. Eine gute Pizza, das darf schon mal sein, und das muss auch mal sein.

Wie lange springst du eigentlich schon, und wie bist du dazu gekommen?

Runggaldier: Das hat sich rein zufällig ergeben. Es war 2002, damals gab es noch gar keine Skispringerinnen in Italien. Ich bin bis dahin manchmal mit Langlaufskiern von kleinen Schanzen gehüpft, und dann hat mich unser ehemaliger Trainer gefragt, ob ich nicht Lust hätte, professionell zu springen. Er hatte gehört, dass das Damenskispringen 2006 in Turin vielleicht olympisch werden könnte. Weil er das aber an einem 1. April gesagt hatte, dachte ich, es sei ein Aprilscherz und habe deshalb Ja gesagt. Ein paar Monate später, als ich die Sache schon fast vergessen hatte, rief er dann bei mir an und sagte, dass wir nächste Woche anfangen würden. Da war ich total überrascht – und weil ich ja schon zugesagt hatte, konnte ich natürlich auch nicht mehr Nein sagen (lacht). Das Springen war von Anfang an faszinierend. Erst war ich nebenbei auch noch Langläuferin, also eine Kombiniererin, bis ich mich dann ganz für das Springen entschieden habe.

Hast du einen Beruf neben dem Skispringen?

Runggaldier: Ich bin bei der italienischen Finanzpolizei (Fiamme Gialle, Anm. d. Red.) angestellt. Das gibt mir die Möglichkeit, an fünf bis sechs Tagen vor- und nachmittags zu trainieren, ohne nebenher noch arbeiten zu müssen. Das ist schon ein Riesenglück, das in Italien kaum jemand hat und wofür ich sehr dankbar bin.

Wie sieht dein Trainingsalltag aus und wie entspannst du dich davon?

Runggaldier: Vormittags mache ich normalerweise Krafttraining, am Nachmittag stehen dann Dinge wie Koordination auf dem Trainingsplan. In etwa dauern die Einheiten so ein bis zwei Stunden. In der Freizeit mache ich auch viel Sport, fahre Ski und betreibe nach wie vor Langlaufen. Außerhalb des Sports ist Fotografieren mein großes Hobby.

Hast du Vorbilder?

Runggaldier: Ja. Im Skispringen ist es Simon Ammann, ansonsten Valentino Rossi (erfolgreicher italienischer Motorradrennfahrer, Anm. d. Red.).

Dein Lebensmotto?

Runggaldier: Wer sich anstrengt, kann verlieren – wer sich nicht anstrengt, hat schon verloren.

Elena, vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!
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Continentalcup 2011/2012 (F)
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