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Skispringen Kornspitz



Sven Hannawald: "Ich vermisse nichts" (29.03.2010)

Im Exklusiv-Interview mit SKIJUMPING.de berichtet der ehemalige Weltklasse-Skispringer Sven Hannawald über seine Vorhaben, in der GT-Masters-Serie als Rennfahrer an den Start zu gehen. Außerdem spricht er über den momentan Zustand im deutschen Skispringen, den psychischen Druck eines jeden Leistungssportlers und seine Zukunftspläne abseits der Rennstrecke.

Herr Hannawald, Sie haben bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf bekanntgegeben, dass Sie in Zukunft als Fahrer in der GT-Masters-Serie teilnehmen werden. Das erste Rennen steht schon bald vor der Tür - wie laufen die Vorbereitungen?

Sven Hannawald: Die Vorbereitungen haben vor kurzem angefangen, wir sind schon ein paar Tests gefahren. Ich brauche auf jeden Fall noch etwas Zeit, weil man mit dem Auto in der Klasse schon ziemlich zügig unterwegs ist, aber es geht voran. Ich mache mir keinen Druck, sondern es ist für mich eine schöne Aufgabe, die mich auch interessiert, aber nach wie vor trotzdem Zeit zum Gelingen braucht.

Das heißt, Sie haben geplant, diesen Sport über einen längerfristigen Zeitraum zu betreiben?

Hannawald: Ja, für nur ein Jahr lohnt sich das alles gar nicht. Ich möchte das schon länger machen. Umso länger ich das mache, umso mehr Vertrauen bekomme ich in die Autos, umso mehr lerne ich die Strecken kennen und kann so davon profitieren.

Man hat Sie in letzter Zeit weniger im Bereich Skispringen gesehen. Wie viel Kontakt haben Sie noch zu den ehemaligen Teamkollegen?

Hannawald: Relativ wenig. Klar, wenn wir uns sehen ist alles okay und wir reden über die früheren Zeiten, aber ansonsten telefonier ich jetzt auch nicht hinterher, weil ich weiß, dass es für sie relativ stressig ist. Aber ich freue mich immer wieder, wenn ich irgendwo vor Ort mit dabei bin. Dann schaue ich mir alles wieder an, wie es früher war und es ist schön mit den ehemaligen Kollegen zu sprechen aber mehr ist es dann auch nicht.

Können Sie sich vorstellen in Zukunft eine Funktion im Skispringen - entweder als Funktionär bei einem Verband oder als Experte im Fernsehen - zu übernehmen?

Hannawald: Mittlerweile bin ich dafür sicherlich offen. Vor einigen Jahren hatte ich schon einmal die Chance mit dem Fernsehen, aber damals war ich an der Sache noch zu nah dran. Mittlerweile habe ich den Abstand und würde mich natürlich freuen, wenn das klappen würde als Co-Moderator o.ä., aber diese Stellen sind momentan besetzt und deswegen werde ich diesbezüglich abwarten. Hauptaufgabe für mich ist es, dass ich mit den Rennen vorwärts komme und das andere ist dann erst wieder im Winter.

Die deutschen Skispringer konnten mit der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen zwar einen tollen Erfolg feiern, mussten aber auch einige Rückschläge hinnehmen. Wie ist die Saison aus Ihrer Sicht zu bewerten?

Hannawald: Es ist schwierig. Man sieht, dass intern momentan nicht so viel Druck ist wie wir ihn früher untereinander extrem hatten. Damals wussten die Jüngeren gleich, wo sie hinmüssen. Mittlerweile ist man sich nicht sicher, wer der beste Deutsche ist. Das ist ab und zu der Michael Neumayer oder auch ein jüngerer, aber wir haben keinen, der stabil vorne mitspringt, so dass auch die Jüngeren gleich wissen, wo sie hin müssen. Das ist momentan sehr schwierig und muss erst wieder gedeihen. Jetzt muss erst einmal wieder die Ruhe einkehren - ob das möglich ist, weiß man nicht.

Welche persönliche Ansicht haben Sie, was die momentane Arbeitsweise beim Deutschen Skiverband anbelangt? Wo könnte man Ihrer Meinung nach am ehesten ansetzen, um den Grundstein für zukünftige Erfolge zu legen?

Hannawald: Ich glaube, die Jugend ist das wichtigste. Einige Kandidaten wie Martin Schmitt oder Michael Uhrmann werden irgendwann sicherlich aufhören, so dass man zwangsläufig an die Jungen gebunden ist. Die älteren Springer wissen, was sie machen müssen. Vielleicht haben sie Probleme mit dem Material oder Umsetzungsschwierigkeiten, wissen aber wie es geht. Daher ist es das wichtigste, die Jungen heranzuführen. Wie das funktioniert kann ich nicht sagen, dafür bin ich zu weit weg. Wichtig ist nur, dass sie möglichst früh den Kontakt zu den älteren bekommen. Man sieht ja in Österreich, dass es auch intern große Konkurrenz geben kann. Wenn dort jemand im Continentalcup nachkommt, kann er auch im Weltcup gut mitspringen. Das war bei uns eigentlich nie der Fall.

Nach erfolgter Behandlung des Burn-Out-Syndroms mussten Sie im Jahr 2005 Ihre Karriere beenden. Dabei hatten Sie nicht die Möglichkeit ein Abschiedsspringen o.ä. zu veranstalten. Bedauern Sie das, wenn Sie heute zurückblicken?

Hannawald: Ich bin kein Mann von großer Feier. Ich war eher der ruhigere und vermisse daher auch nichts. Sicher war es nicht geplant, dass ich so aufhören muss. Aber ich denke nicht, selbst wenn ich normal aufgehört hätte, dass ich ein großes Abschiedsspringen gemacht hätte. Ich bin eher der ruhigere Abgänger.

Sie haben Sie im letzten November sehr betroffen vom Selbstmord von Robert Enke gezeigt. Ist es Ihrer Meinung nach überhaupt möglich, dass sich im Leistungssport etwas ändert, um den massiven Leistungsdruck von einzelnen Sportlern zu nehmen?

Hannawald: Es ist schierig. Letzten Endes ist es nicht nur der Psychologe vor Ort, der viele Sachen ebnen kann. Es ist teilweise auch im Jugend- oder Kindesalter, wo gewisse Sachen falsch laufen. Ich weiß nicht, ob man so kurzfristig handeln kann. Niemand ist sich wirklich sicher, woran es wirklich liegt und deswegen wird es wohl in nächster Zukunft noch Probleme oder Fälle von Leuten geben, die mit dem Druck nicht umgehen können. Den Druck haben eigentlich alle, die vorne mitschwimmen, nur gehen gewisse Leute anders mit einem um. Dabei hat der eine ein Problem und der andere eben nicht. Es wird sicherlich noch ein paar Jahre dauern, das Problem zu lösen.

Sie haben in den letzten Jahren regelmäßig an der Wok-WM von Stefan Raab teilgenommen. Können Sie sich vorstellen, für ähnliche Spaß-Events auch wieder von einer Skisprungschanze zu springen?

Hannawald: Das weiß ich nicht. Wenn es irgendwelche Planungen gäbe, müsste ich mir das anschauen und entscheiden, ob ich das machen würde oder nicht. Die Wok-WM mache ich nun schon seit einigen Jahren und ich passe auch auf, dass ich nicht bei allen Events im Fernsehen auftrete. Ich möchte meinen Namen behalten, den ich habe, und nicht bei jeder Veranstaltung antanzen.

Das Interview führte Marco Ries.
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