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Skispringen Kornspitz



Andreas Goldberger: "Jury muss professioneller arbeiten" (03.05.2010)

Mit insgesamt 20 Weltcupsiegen, drei Gesamtweltcup-Siegen, zwei Siegen in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee und zwei Weltmeister-Titeln im Skispringen und Skifliegen zählt Andreas Goldberger zu den erfolgreichsten Skispringern aller Zeiten. Im Exklusiv-Interview mit SKIJUMPING.de-Chefredakteur Marco Ries spricht der Österreicher über die vergangene Saison, den anhaltenden Erfolg in Österreich, die Entwicklung in Deutschland und die neuen Regeln im Weltcup.


Herr Goldberger, die Saison 2009/2010 gehört nun seit einigen Wochen der Vergangenheit an. Wie bewerten Sie den Verlauf für die österreichische Mannschaft?

Andreas Goldberger: Für die Österreicher muss ich sagen war sie wieder sehr erfolgreich. Gleich am Anfang haben sie in Kuusamo das Mannschaftsspringen und mit der Vierschanzentournee auch das erste große Highlight gewonnen. Bei Olympia konnten wir aus drei Bewerben drei Medaillen mitnehmen und am Schluss bei der Skiflug-WM mit zwei Medaillen in zwei Bewerben die Saison abschließen. Von daher muss man sagen, lief es super. Die große Show, mit den beiden olympischen Goldmedaillen und dem Skiflug-Weltmeister-Titel, hat aber trotzdem Simon Ammann gezeigt. Aber im Endeffekt waren wir im Nationencup überlegen und konnten auch im Nachwuchs, also im Continentalcup und bei der Junioren-WM, alles gewinnen. Es war von dem her eine super Saison, nur der Einzelsieg bei Olympia und der Skiflug-WM ist abgegangen. Ansonsten war es sensationell. Es sind wieder neue Leute wie David Zauner dazugekommen, die super Leistungen gezeigt haben.

Was hatte Simon Ammann Gregor Schlierenzauer in dieser Saison voraus?

Goldberger: Die meisten Einzelsiege hat Simon Ammann eingefahren, wobei Gregor auch sieben geschafft hat. Aber eben die großen Siege hat Simon Ammann in diesem Jahr eingefahren. Bei gewissen Sachen wie die Routine und die Ruhe bei großen Wettkämpfen hatte er wohl etwas voraus. Die neue Bindung bei Olympia war dann natürlich ein genialer Schachzug von Ammann, womit er die Konkurrenz natürlich schon verunsichert hat.

Die mannschaftliche Leistung der ÖSV-Skispringer ist natürlich sensationell. Was machen die Österreicher besser als die anderen?

Goldberger: Es kommen einfach immer wieder Junge nach und wir haben eben auch Routinierte. So zum Beispiel Wolfgang Loitzl, der mit 30 Jahren noch immer super ist und auch Gregor Schlierenzauer, der eben schon mit 20 sensationell ist. Außerdem merkt man, dass im ÖSV über Jahre hinweg gearbeitet wird und nicht gesagt wird, heuer ist Olympia oder heuer ist WM. Es wird kontinuierlich über lange Zeiträume gearbeitet. Das fängt schon im Jugendalter an, wo das Skigymnasium Stams und die ganzen Stützpunkte super Arbeit leisten. Gerade in Innsbruck, Salzburg und Kärnten funktioniert die Zusammenarbeit super. Das merkt man dann eben bei Leuten wie Gregor Schlierenzauer. Dem Zufall wird in Österreich nichts überlassen. Da steht ein ordentliches Konzept dahinter. Auch wenn man sicherlich immer noch etwas besser machen könnte, hat man den anderen Verbänden etwas voraus. Es müssen einfach alle Vereine, Stützpunkte und der Verband an einem Strang ziehen.

Zum Erfolg in Österreich tragen Sie ja auch selbst mit dem "Goldi Talente Cup" bei.

Goldberger: Genau, das hängt auch im System mit drin. Das ist Arbeit für die Zukunft, denn die Trainer im Verband und in den Stützpunkten können eben auch nur mit den Leuten zusammenarbeiten, die nachkommen. Bei der letzten Veranstaltung haben wir knapp 600 Teilnehmer gehabt und da ist es natürlich einfacher, gute Talente auszusuchen als wenn man nur 30 Kinder hat. Da bleiben einfach mehr übrig.

Wie läuft eine solche Talentsuche genau ab? Was passiert mit den Kindern, die dabei gefunden werden, wie geht ihr Weg weiter?

Goldberger: Zuerst geht es darum, die Kinder dazu zu bringen, dass es ihnen Spaß macht. Im Endeffekt ist es ein Schnuppertag, wo sie das eben probieren können. Es beteiligen sich viele Vereine, so dass sich jeder bei dem Verein melden kann, der bei ihm in der Umgebung liegt. Die Kinder bekommen dann alle Informationen um zu wissen, wann das Training ist und wie alles abläuft. Außerdem sind Sponsoren dabei, so dass man den Kindern Material wie Ski, Sprunganzug und Sturzhelm kaufen kann, wenn sie dann bei einem Verein aufgenommen werden um sie so ideal weiter fördern zu können.

Wie stehen Sie zu den Veränderungen am Regelsystem? Sind Wind- und Gate-Regel Ihrer Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung?

Goldberger: Es ist ganz unterschiedlich. Sicherlich hat die Entwicklung etwas Gutes. Erst einmal finde ich es gut, dass sich die Leute bei der FIS Gedanken über die Weiterentwicklung des Sports machen. Aber natürlich ist die Umsetzung nicht zufriedenstellend, man kann vieles noch besser machen. Sicher macht der Windfaktor das Springen etwas fairer, aber ganz fair kann es im Skispringen wohl nie zugehen. Aber es ist so, dass alles, was man wissenschaftlich errechnet, in der Praxis nicht stimmen muss.

Der Gatefaktor ist eigentlich nicht blöd, aber es sollte nur ein Notfallplan sein. Es kann einfach nicht missbraucht werden, so dass alle Athleten weit springen können und die Zuschauer nichts mehr vom eigentlichen Wettkampf mitbekommen. Es darf nicht passieren, wie es in Planica der Fall war, dass man den ersten Durchgang von Startluke 22 startet und bei 15 aufhört und den zweiten wieder von 22 startet. Da weißt du doch genau, dass du am Ende wieder bei 15 bist. So darf das nicht missbraucht werden! Durch Verkürzungen wird das Ergebnis schon stark verfälscht. Mit mehr Anlauf kann jemand leicht weiter springen als jemand mit einem kürzeren. Ein Springer kann gar nicht so gut sein, dass er bei wenig Anlauf und nicht optimalen Verhältnissen auf eine ordentliche Weite kommt. Andererseits kann es aber eben auch nicht sein, dass man den Wettbewerb nach 35 Springern neu starten muss, weil der Anlauf zu lang gewählt wurde, doch es muss derjenige gewinnen, der bei kurzem Anlauf am weitesten springt. So gesehen gibt es bei der Umsetzung noch viel zu verbessern, aber man sollte auch nicht direkt alles Schlechtreden. Gewisse Sachen sind gut und gewisse Sachen gehören einfach besser gemacht.

Sie sind also der Meinung, dass die Regel noch weiter modifiziert werden muss?

Goldberger: Ja, auf jeden Fall! So wie es jetzt ist kann man es nicht einfach stehen lassen. Der Windfaktor, der ausgerechnet wird, ist in der Natur nicht korrekt. Man weiß doch genau, dass ein ein Meter pro Sekunde Aufwind mehr ausmacht als sieben oder acht Punkte.

Die Einführung der neuen Regel hat etwas Gutes, aber auch etwas Schlechtes. Jetzt zu sagen, man sollte die neue Regel ganz verwerfen, finde ich auch nicht korrekt. Aber dass man jetzt genau so weitermacht ist auch nicht korrekt. Die Regel gehört überarbeitet, aber man muss ihr einfach eine Chance geben, denn man braucht einfach Erfahrungswerte. Die Jury muss in Zukunft vielleicht etwas professioneller arbeiten, weil sie durch den Wind- und vor allem den Gate-Faktor noch mehr Einfluss auf den Ausgang des Wettkampfes. Es ist einfach nicht okay, dass sie die Gate-Regel dazu nutzen, um den Zuschauern eine Show zu bieten und die Springer trainieren monatelang um bei den Wettkämpfen sportlich die weitesten Sprünge zeigen zu können. Letztendlich haben wir auf die Entscheidung sowieso keinen Einfluss – das macht die FIS.

Im Jahr 1936 hat mit Sepp Bradl der erste Skispringer die 100-Meter-Marke überflogen, 58 Jahre sind Sie als erster über die 200-Meter-Marke geflogen. Nun möchte die FIS einen weiteren Ausbau von Skiflugschanzen ermöglichen, so dass Flüge über 250 Meter möglich wären. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Goldberger: Ich glaube, dass sich das Material und die Athleten selbst so weit entwickelt haben, dass das gut möglich ist. Man hat die Sicherheit ja so weit entwickelt - mit den Ski, den Anzügen, dem V-Stil, den Bindungen und der Schanzenpräparierung. Das kann man mit früher ja nicht vergleichen. Man sollte nicht mit aller Gewalt versuchen, immer neue Rekorde aufzustellen und auf Weitenjagd zu gehen, aber wenn es die Gelegenheit gibt: Warum nicht? Das ist die typische Entwicklung im Sport. Man will immer noch weiter, noch schneller, noch besser. Wenn entsprechende Schanzen da sind und es nicht zu gefährlich wird, sehe ich in der Entwicklung überhaupt kein Problem.

Eine große Diskussion entfachte in der vergangenen Saison die neue Bindung von Simon Ammann. Welche Vorteile verschafft sie ihm?

Goldberger: Ich muss schon sagen, dass er dadurch viel mehr Auftrieb bekommt, weil er den Ski flacher in der Luft führen kann. Es ist natürlich auch schwieriger zu springen, weil es nicht mehr so stabil ist, aber wenn man diese Bindung hat ist es schon ein Vorteil. Früher hat das ein Sven Hannawald sehr gut gekonnt, der so durch seine Beinstellung durchaus gewisse Vorteile hatte und das auch trainiert hat. Und ein Gregor Schlierenzauer kann das sicher auch sehr gut.


Die deutschen Skispringer mussten in der vergangenen Saison einige Rückschläge hinnehmen, konnten mit der Silbermedaille bei Olympia aber auch einen tollen Erfolg einfahren. Was halten Sie von der Arbeit beim DSV?

Goldberger: Ich glaube schon stark, dass sie auf einem sehr guten Weg sind. Als sie mit Schmitt und Hannawald die großen Erfolge gefeiert haben, haben sie zu viel in andere Sachen als in den Nachwuchs gesteckt. Man meinte, man muss überall moderne Schanzen aufbauen, in Willingen, in Klingenthal, in Oberstdorf und so weiter. Damals hätten sie vielleicht ein bisschen mehr in den Nachwuchsbereich investieren müssen. In der Ära Hess, Steiert und Rohwein ist im Verband einfach einiges schief gelaufen und dass sich kein Erfolg einstellen kann, wenn es intern Streitereien gibt, ist klar. Nachdem es ja drei, vier Jahre lang ein großes Loch im Nachwuchs gab, haben sie das mittlerweile kapiert und haben auch einige Talente wie Bodmer, Wank, Horlacher, Freund und die weiteren, die sicherlich auf dem richtigen Weg sind.

Aber dann müssen eben auch die ehemaligen Springer und die Top-Stars schauen, dass sie sich einbringen und die Kinder motivieren, dass sie mit dem Skispringen beginnen. Das sind Vorbilder und Zugpferde für den Sport. Die Zeiten sind vorbei, dass man Kindern sagt, dass man dort skispringen kann und sie dann hinkommen. Durch die ganze Entwicklung in der Gesellschaft ist es mittlerweile nötig, mit dem Sport auf die Kinder zuzugehen. Früher hast du nur Veranstaltungen machen müssen und alle sind gekommen aber heutzutage musst du dafür kämpfen, dass sie das annehmen.

Janne Ahonen hat in der vergangen Saison sein Comeback gefeiert. Wie bewerten Sie seine Rückkehr?

Goldberger: Ich muss ihm natürlich gratulieren. Das fängt schon an mit seinem zweiten Platz bei der Vierschanzentournee. Was er wieder drauf hat, ist bemerkenswert. Ich habe mich ja sehr gewundert, dass er sich das nach einem Jahr Pause wieder antut, nachdem er ja in seinem Buch geschrieben hat, welche Entbehrungen er auf sich nehmen musste, um diesen Sport so erfolgreich ausüben zu können. Wie er das geschafft hat, hat mich schon sehr verblüfft – auch wenn es bei Olympia wieder nur für den undankbaren vierten Platz gereicht hat.

Sie sind in Österreich ja in verschiedenen Werbespots mit der Mannschaft zu sehen. Wie ist Ihr Verhältnis zu den Springern und Trainern?

Goldberger: Sehr gut. Weil ich ja mit dem österreichischen Fernsehen beim Großteil der Wettkämpfe dabei bin und nach wie vor mit Helm- und Ski-Kamera von der Schanze springe. Da hat man dann natürlich nicht nur journalistisch Kontakt mit den Athleten sondern auch auf der Schanze. Wenn man mit ihnen gemeinsam auf dem Anlaufturm steht ist der Kontakt natürlich schon sehr eng und das macht sehr viel Spaß.

Sie wurden ja vor kurzem zum beliebtesten Co-Kommentator bei den Olympischen Winterspielen gewählt. Bestärkt Sie das, auch weiterhin in diesem Bereich tätig zu sein oder könnten Sie sich auch vorstellen, als Trainer direkt beim Verband tätig zu sein?

Goldberger: Ich fühle mich da sehr wohl, das taugt mir. Wenn man von den Zuschauern zum besten Co-Kommentator gewählt wird ist das eine tolle Bestätigung für mich. Es ist ja auch nicht so leicht, man muss ebenso üben, trainieren, informieren um das gut machen zu können. Meine Aufgabe im Skiverband sehe ich aber nicht als Trainer, weil wir wirklich sehr viele und sehr gute und qualifizierte Trainer haben. Ich versuche nur, dem Skispringen etwas zurückzugeben und möchte eben schauen, dass ich so viele Kinder wie möglich zum Sport animieren, um auch in Zukunft tolle Erfolge feiern zu können. Außerdem möchte ich beim Fernsehen den Zuschauern die Faszination Skispringern mit den Kamerasprüngen näher bringen. Ich denke, so können sie gut nachvollziehen, wie sich dieser Sport anfühlt.

In den Bereichen Fernsehen und Nachwuchsförderung leisten Sie ja auch hervorragende Arbeit.

Goldberger: Das ist auch wirklich harte Arbeit. Es ist nicht leicht, aber wenn man merkt, dass 600 Kinder bei so einer Sache begeistert dabei sind und tolle Erfolge feiern, taugt das einem. Es macht viel Spaß.

Das Interview führte Marco Ries.
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ÖSV-Trainingsauftakt, 16.05.2012
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Weltcup 2011/2012 (M)
01
Bardal
1325 P.
02
Schlierenzauer
1267 P.
03
Kofler
1203 P.
04
Ito
1131 P.
05
Stoch
1078 P.
06
Freitag
1031 P.
07
Morgenstern
1014 P.
08
Freund
857 P.
09
Kranjec
829 P.
10
Koudelka
796 P.

Nationencup 2011/2012 (M)
01
Österreich
6935 P.
02
Norwegen
4530 P.
03
Deutschland
4353 P.
04
Slowenien
3412 P.
05
Japan
2827 P.
06
Polen
2638 P.
07
Tschechien
2178 P.
08
Russland
918 P.
09
Schweiz
753 P.
10
Finnland
611 P.

Weltcup 2011/2012 (F)
01
Hendrickson
1169 P.
02
Iraschko
779 P.
03
Takanashi
639 P.
04
Gräßler
546 P.
05
Van
482 P.
06
Sagen
454 P.
07
Pozun
422 P.
08
Faißt
409 P.
09
Jerome
395 P.
10
Mattel
328 P.

Continentalcup 2011/2012 (M)
01
Stjernen
1017 P.
02
Gangnes
899 P.
03
M. Hayböck
834 P.
04
Mandl
684 P.
05
Meznar
606 P.
06
Naglic
597 P.
07
Loitzl
570 P.
08
Johansson
559 P.
09
Ingvaldsen
549 P.
10
Swensen
542 P.

Continentalcup 2011/2012 (F)
01
Iraschko
440 P.
02
Hendrickson
420 P.
03
Vtic
256 P.
04
Takanashi
220 P.
05
Rogelj
211 P.
06
Pozun
206 P.
07
Bogataj
182 P.
08
Seifriedsberger
152 P.
09
Vuik
139 P.
10
Sagen
136 P.

Sommer-Grand-Prix 2011
01
Morgenstern
620 P.
02
Stoch
505 P.
03
Hilde
443 P.
04
Schlierenzauer
400 P.
05
Zyla
298 P.
06
Takeuchi
281 P.
07
Freitag
265 P.
08
Karelin
256 P.
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Kot
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10
Freund
216 P.


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