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Skispringen Kornspitz



Gerhard Hofer: "Habe mich gut eingelebt" (09.08.2010)

Im exklusiven Interview mit SKIJUMPING.de blickt der Österreicher Gerhard Hofer auf die Zeit in der Schweiz zurück und spricht über seine Zukunft als Mitglied des Trainerstabs der finnischen Nationalmannschaft. Als erfahrener Ski-Techniker äußert er sich zu den aktuellen Entwicklungen im Materialbereich des Skispingens und den damit verbundenen Diskussionen um Änderungen des Reglements.

Gerhard, seit kurzer Zeit bist du Teil des finnischen Trainerstabs. Konntest du dich inzwischen schon einleben und inwiefern hat sich deine Lebenssituation verändert?

Gerhard Hofer: Meine Lebenssituation hat sich gar nicht verändert, ich wohne nach wie vor in Innsbruck und steuere das alles zum größten Teil von dort aus. Das Einleben hat ungefähr zwei Wochen gedauert, es ist ja doch immer etwas schwierig mit der Sprache. Aber ich finde es auch ganz lustig, wenn die Jungs Finnisch reden. Dann lachen sie alle und ich stehe daneben und frage mich, was das jetzt gewesen sein könnte. Dann ist aber Ville Kantee an meiner Seite und übersetzt das für mich und am Ende finde ich es teilweise gar nicht so lustig (lacht). Aber prinzipiell habe ich mich gut eingelebt, das Team hat mich gut aufgenommen. Es ist doch eine große Verantwortung jetzt, aber ganz interessant.

Nach der letzten Saison hast du dich ziemlich ausgebrannt gefühlt. Was war letztendlich der ausschlaggebende Punkt für dich, weiterzumachen statt eine Pause einzulegen?

Hofer: Ursprünglich wollte ich ja auf den Berg mit ein paar Kühen und dort den Sommer verbringen. Es hatte dann aber private Gründe, warum ich das nicht gemacht habe. Es war doch so, dass relativ viele Angebote vorlagen. Die Schweizer wollten mich natürlich behalten, die Österreicher haben ein Angebot gemacht, genauso wie die Norweger und die Finnen. Ich habe es für jede Nation offengelegt und habe mir auch alle Angebote angehört. Letztendlich habe ich mich dann für das entschieden, was mir am interessantesten erschien, und das war dann einfach Finnland. Die Athleten sind sehr interessant und ich wollte für mich selbst einfach wissen, ob es so ist, wie jeder sagt: Die Finnen können nicht lachen und reden kaum.

Kannst du das bestätigen?

Hofer: Dazu kann ich nur sagen, das ist Blödsinn, die können sehr wohl lachen, können blödeln und scherzen (lacht). Es ist einfach für mich wieder eine neue Kultur und das ist eigentlich auch das Interessante daran. Was die Arbeit betrifft, habe ich das Dasein als Servicemann sozusagen abgegeben. Ich bin jetzt Co-Trainer, aber für den Bereich Material noch immer verantwortlich, sprich Anzüge, Bindungen, Schuhe und Skier. Nur wachsen werde ich die Skier nicht mehr, das ist der Unterschied. Während des Wettkampfs bin ich zum Beispiel auf dem Trainerturm, gebe Pekka Niemelä und Ville Kantee Feedback und Korrekturen durch, aber auch Informationen, die den Wind betreffen. Das Ganze läuft für mich also auf der Trainerebene.

Ville Kantee hat von eurem gemeinsamen Traum erzählt, einmal im Skispringen zusammenzuarbeiten. Welche Bedeutung hat es für dich, in ihm nicht nur einen Trainerkollegen, sondern auch guten Freund im Team zu haben?

Hofer: Ich weiß gar nicht mehr genau, wo das entstanden ist. Wir sind eines Abends zusammengesessen und haben im Spaß gesagt, dass wir irgendwann unser eigenes Team haben werden. Als ich dann die Angebote der anderen Nationen vorliegen hatte, war das immer in meinem Hinterkopf. Wenn Ville nicht in diesem Team wäre, dann würde ich es auch nicht machen. Es ist eine spezielle Freundschaft mit ihm, daher würde ich es ohne ihn wirklich nicht machen.


Du hast im Zusammenhang mit deiner Arbeit für die Schweizer Mannschaft von "Betriebsblindheit" gesprochen, da im Materialbereich das Maximum herausgeholt wurde. Wie sieht es damit in Finnland aus, herrscht dort noch mehr Raum zum Tüfteln?

Hofer: Das Maximum ist in Finnland noch lange nicht erreicht. Wenn man alleine die Bindungen anschaut, dann ist es im finnischen Team so, dass bislang völliges Standardmaterial verwendet wurde. Wir legen aber jetzt noch keinen Wert darauf, dabei großartig etwas zu verändern. Es ist immer schwierig, wenn ein Neuer ins Team kommt und sagt, was man alles machen und verändern könnte. Da denken sich die Athleten, sie müssten nach dessen Pfeife tanzen. Aber um noch mal zurück zur Schweiz und der Betriebsblindheit zu kommen: Das Schweizer Team wäre mit meiner Unterstützung einfach nicht mehr weitergekommen, daher habe ich für mich eine neue Herausforderung gesucht und wollte in ein neues Team gehen. Wenn eine neue Person zu einem Team stößt, dann ist das immer auch eine Veränderung. Die Finnen kannten mich zwar von der Schanze her, aber sie wussten nicht, wie ich funktioniere oder ticke. In den etwas mehr als zwei Monaten, die wir nun zusammenarbeiten, hat sich auch alles schon etwas aufgelockert. Man sitzt am Tisch, die anderen sprechen Finnisch und ich kann es nicht verstehen. Dann kommt von irgendeiner Seite wieder etwas auf Englisch, meist ist es irgendein Blödsinn, aber dann kommt direkt auch gleich wieder Blödsinn zurück (lacht). Natürlich ist es aber nicht nur Spaß, es wird sehr hochwertig gearbeitet im Team, daher ist die Mannschaft auch auf einem sehr guten Weg.

Mit der neuen Saison kommen einige zuvor getestete Regelungen zum Einsatz. Ist aus deiner Sicht nun ein Ende der Debatten um Regeländerungen erreicht oder wo siehst du noch Verbesserungsbedarf?

Hofer: Was die Regeländerungen angeht, können wir ja selbst sowieso nichts machen. Wir können schon etwas dagegen sagen, aber für uns ist es zum Beispiel keine große Sache, dass kürzere Skier gesprungen werden oder dass es bei den Anzügen einen neuen Messpunkt gibt. Was die Bindungen betrifft, bin ich davon überzeugt, dass da jetzt richtig Gas gegeben wird. Ich habe da mit dem Schweizer Team etwas eingefädelt. Wir haben damals eigentlich nur an das Team gedacht und auch nur an einen bestimmten Zeitpunkt (Olympische Spiele in Vancouver, Anm. d. Red.), aber was danach passiert, haben wir gar nicht bedacht. Wenn man jetzt an der Schanze steht, sieht man teilweise Bindungen, die ich persönlich meinen Athleten nicht geben würde. Gewisse Sachen sind ganz okay, aber es sind auch Dinge dabei, die ich unseren Athleten nicht auf die Skier schrauben würde. Es geht auf jeden Fall in die Richtung, dass mehr getüftelt wird, auch bei den Original-Bindungsherstellern wie "win.air". Sprungerfahrung hat damit zwar noch keiner, aber es gibt mittlerweile schon gutaussehende Prototypen, die auch von der Technik her gut zu sein scheinen. Aber alle Nationen geben jetzt definitiv Vollgas.

Es ist also positiv, dass diese Entwicklungen nun stattfinden?

Hofer: Ich finde es super, dass sich in diesem Bereich mal etwas bewegt. Es hat so lange nur zwei Arten von Bindungen gegeben, die verwendet wurden. Im Grunde genommen hat sich nicht wirklich jemand Gedanken gemacht, sonst wäre schon früher etwas passiert. So denkt jetzt wenigstens wieder jeder darüber nach, was man machen könnte, um beispielsweise die Skistellung zu verändern oder die Aerodynamik zu verbessern. Ich denke, es wird soweit kommen, dass das Ganze solche aerodynamischen Formen annimmt, dass sich die FIS wieder überlegen muss, ob sie dem zustimmen möchte oder wieder ein neues Reglement entwerfen will. So wird es wohl kommen, aber bis dahin geben wir natürlich auch Gas!

Wen aus dem finnischen Team hältst du für den aussichtsreichsten Kandidaten, um einmal die sportliche Nachfolge von Janne Ahonen anzutreten?

Hofer: Das kann oft schnell gehen. Prinzipiell ist das Team auf einem sehr hohen Niveau, sonst wären wir auch nicht hier beim Sommer-Grand-Prix oder generell beim Weltcup. Meiner Meinung nach ist Ville Larinto ein Springer mit sehr viel Potential, aber auch die Entwicklung von Kai Kovaljeff ist sehr interessant zu beobachten. Harri Olli muss man natürlich auch nennen, wenn er gewisse Dinge durchzieht. Einfach die ganzen Jungen, die jetzt im Weltcup am Start sind. Da ist sehr viel Potential vorhanden. Am interessantesten ist für mich aber bisher einfach die Entwicklung von Kai Kovaljeff gewesen, weil er auch ein sehr offener und engagierter Typ ist. Er ruft mich oft an und fragt, ob es Neuerungen oder Veränderungen gibt.

Wie sehen nun die weiteren Planungen der finnischen Mannschaft im Rahmen der Saisonvorbereitung aus?

Hofer: Wir werden an allen Wettkämpfen in diesem Sommer teilnehmen, aber in jeweils unterschiedlicher Besetzung.

Das Interview führten Mariele Stockinger und Silke Tegethof.
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ÖSV-Trainingsauftakt, 16.05.2012
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