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Skispringen Kornspitz



Pacal Bodmer: "Lasse mich nicht unter Druck setzen" (13.11.2010)

In der letzten Saison war Pascal Bodmer der große Hoffnungsträger der deutschen Skispringer. Der Meßstettener startete mit einem zweiten Platz in den Weltcup-Winter – entsprechend hoch waren die Erwartungen bei den kommenden Weltcup-Springen und der Vierschanzentournee. In der kommenden Saison möchte Bodmer wieder vorne mitspringen und vor allem bei den Weltmeisterschaften in Oslo überzeugen. Im Exklusiv-Interview mit SKIJUMPING.de spricht Bodmer über die vergangene Saison, die Vorbereitungsphase und gibt einen Ausblick auf die Zukunft.

Pascal, wie lief deine Saisonvorbereitung? Bist du zufrieden mit dem bisherigen Verlauf?

Pascal Bodmer: Von April bis Mai musste ich meine Grundausbildung absolvieren, aufgrund dessen konnte ich da nicht so trainieren, wie ich mir das vorgenommen hatte. Ich habe mich dann danach aber Schritt für Schritt wieder herangearbeitet und bin nun auf einem ganz guten Weg. Von dem her bin ich sehr zufrieden mit der bisherigen Vorbereitung.

Das deutsche Team hat das Hauptaugenmerk in diesem Jahr vor allem auf die Verbesserung des Materials gelegt und dabei ein eigenes Bindungssystem entwickelt. Wie kommst du persönlich damit zurecht?

Bodmer: Anfangs hat mich das viele Testen manchmal aus dem Konzept gebracht und ich habe mich zunächst mit dem neuen Stabsystem eher schwer getan. Mittlerweile konnte ich jedoch im Großen und Ganzen mein persönliches System finden, mit dem ich ganz gut zurecht komme. Sicherlich ist das noch nicht perfekt ausgereift, aber ich denke, im Hinblick auf die kommende Saison passt das. Nächstes Jahr möchte ich daran weiter arbeiten.

"Spitzenergebnisse mit altem Material unwahrscheinlich"

Gehst du persönlich davon aus, dass man als Springer im Winter ohne den Einsatz des neuen Bindungssystems noch konkurrenzfähig ist?

Bodmer: Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, dass man auch mit dem alten Material schon noch einigermaßen mithalten könnte, wenngleich dann absolute Spitzenergebnisse eher unwahrscheinlich sind. Deshalb ist es schon wichtig, dass man sich jetzt mit dem neuen System vertraut macht und es dann zum Einsatz bringt. Wobei das Material natürlich allein kein Erfolgsgarant ist – jeder Springer muss da seine persönliche optimale Abstimmung finden. Es gibt kein Material, keine Variante, die für alle Athleten gleichermaßen perfekt ist.

Worauf liegt in den letzten Wochen bis zum Saisonauftakt in Kuusamo trainingstechnisch dein Schwerpunkt?

Bodmer: Ich möchte meine Sprünge noch stabilisieren. Obwohl ich mich meiner Ansicht nach bereits auf einem guten Niveau befinde, gibt es natürlich noch ein paar Kleinigkeiten, die es zu verbessern gilt – so dass ich mich für die Saison gerüstet fühlen kann. Darüber hinaus möchte ich noch ein bisschen am Material testen, beispielsweise auch am Anzug.

Gehört auch die Entwicklung einer größeren Konstanz im Saisonverlauf zu den Zielen, die du dir gesteckt hast?

Bodmer: Ja, definitiv. Es soll nicht so ablaufen wie letztes Jahr, wo ich zwar gut gestartet, aber dann im Saisonverlauf eingebrochen bin und zum Schluss zum Teil nicht einmal mehr die Qualifikation für Wettkämpfe überstanden habe. Schwankungen sind zwar normal, sie sollten aber nicht so extrem sein.

Wie bist du dieses Problem angegangen, was hast du im Training verändert, um kommende Saison konstanter zu sein?

Bodmer: Wir haben zum Beispiel das Athletiktraining umgestellt. Dabei wurden unter anderem wöchentliche Kraftmessungen durchgeführt und anhand dessen konnte ich feststellen, dass ich mich im Kraftbereich gesteigert habe. Dazu kommt natürlich die Erfahrung aus dem letzten Jahr. Es ist nicht mehr alles so neu wie damals und ich lasse mich inzwischen nicht mehr so leicht von außen aus dem Konzept bringen.

"Keine Sorgen, dass ein Leistungsabfall bevorsteht"

Lässt du das Medieninteresse an deiner Person überhaupt an dich heran?

Bodmer: Doch, natürlich. Ich möchte mich ja auch gut präsentieren. Allerdings lasse ich mich nicht unter Druck setzen – den Druck mach ich mir, wenn dann, selber. Ich habe aber auch keine Sorgen, dass mir in diesem Jahr ein Leistungsabfall bevorsteht. Und gerade deshalb, weil die letzte Saisonhälfte im vergangenen Winter nicht mehr so gut war, sehe ich mich im Moment ohnehin nicht so unter Druck gesetzt.

Neben der Einführung des neuen Bindungssystems im Team standen auch Änderungen hinsichtlich der Erhöhung des BMI an. Hat dich das persönlich sehr beeinflusst?

Bodmer: Alle in unserem Team mussten sich da natürlich anpassen und dementsprechend mehr oder weniger an Gewicht zulegen. Jetzt könnte die Tendenz eher wieder dahin gehen, dass das Gewicht runtergeht und man kürzere Skier springt. Durch das neue Bindungssystem hat man ja ohnehin mehr Druck unter dem Ski, und da reicht dann eine kürzere Skilänge. Mir persönlich hat die Umstellung nicht so viele Probleme bereitet – ich fühle mich ohnehin wohler, wenn mein Gewicht nicht zu hoch ist. Auch ich springe nun wieder kürzere Skier und habe trotzdem genug Tragfläche, so dass ich richtig in die Vorlage springen kann.

Werner Schuster arbeitet bekanntermaßen viel auf der psychologischen Ebene. Was unterscheidet ihn im Umgang mit euch Athleten im Vergleich zu anderen Trainern?

Bodmer: Er redet sehr viel mit uns Springern, geht auf jeden individuell ins Detail ein, auch was zum Beispiel die Materialabstimmung betrifft. Bei anderen Trainern werden zum Beispiel die Ansprachen allgemeiner gehalten. In diesem Bezug schätze ich Werner Schuster sehr.

Er geht auch davon aus, dass du in den nächsten Jahren – auch schon im kommenden Winter – einer der jungen Athleten bist, die vordere Platzierungen erreichen und irgendwann auch um Siege mitspringen können. Wie gehst du selber mit der Erwartungshaltung deines Trainers um?

Bodmer: Über so eine Einschätzung des Trainers freue ich mich natürlich! Generell aber, lasse ich alles auf mich zukommen. Ich springe einfach gerne und habe da selbst keine übermäßige Erwartungshaltung. Zwar habe ich Ziele, weiß aber auch um die Lockerheit, die für weite Sprünge notwendig ist. Verkrampft auf etwas fixiert zu sein, bringt überhaupt nichts. Wenn es dann nicht so läuft, dann muss ich mich eben heranarbeiten. Von dem her gesehen lasse ich mich nicht unter Druck setzen.

Wie hast du dich gefühlt, als du bei Olympia im Teamspringen nicht zum Einsatz kamst?

Bodmer: Es war schon ein bisschen enttäuschend. Zu Beginn der Saison hatte ich ja gute Ergebnisse, die dann aber seltener wurden im Saisonverlauf. In Vancouver konnte ich mich dann wieder etwas steigern, weshalb ich damals schon Hoffnungen auf einen Startplatz im Team hatte. Leider hat es dann nicht gereicht, dementsprechend war ich natürlich enttäuscht. Aber ich habe mich trotzdem sehr für meine Teamkollegen, die ja die Silbermedaille erreichen konnten, gefreut. Irgendwo war ich ja auch Teil dieser Mannschaft.

Ist dieser verpasste Platz im Team bei Olympia für dich nun noch mehr Anreiz, in die Mannschaft für die WM-Teamspringen in Oslo zu kommen?

Bodmer: Ja, das ist sicher eine Motivation für mich. Wenn man von außen als passiver Springer erlebt, wie die Kollegen gemeinsam zur Medaille springen, dann spornt das schon an. Da habe ich mir schon insgeheim vorgenommen, beim nächsten Mal aktiv dabei zu sein – und natürlich im Optimalfall eine Medaille in den Händen zu halten.

"Top Ten strebe ich auf alle Fälle an"

Hältst du dein im Mai dieses Jahres geäußertes Ziel, in einem Einzelwettkampf der kommenden WM unter die Top Ten zu kommen, im Moment noch für realistisch?

Bodmer: Im Moment gehe ich davon aus, dass ich das schaffen kann. Man muss dann in den Wochen vor der WM sehen, wie sich die Form entwickelt, dann kann man eventuell seine Zielsetzung neu formulieren. Aber die Top Ten strebe ich auf alle Fälle an. Wenn es noch besser liefe, hätte ich natürlich auch nichts dagegen.

Du hast vor einigen Monaten bereits betont, wie wichtig du die ausgewogene Mischung aus jungen und alten Springern im Team erachtest. Wie könnte denn die Hierarchie aussehen, wenn die Arrivierten Uhrmann, Neumayer und Schmitt ihre Karrieren beenden?

Bodmer: Ich hoffe, dass sie alle noch ein, zwei Jahre weiterspringen. Momentan ist ihr Erfahrungsschatz für uns junge Springer sehr wertvoll. Speziell von Martin Schmitt konnte ich mir viel abschauen. Aber ich setze da in Zukunft auch ein bisschen auf Andreas Wank, der momentan 22 ist und da vielleicht einmal Verantwortung übernehmen könnte. Und wir anderen jungen Springer werden dann ja auch älter und können dann wiederum unsere Erfahrungen weitergeben.

Kannst du dich selber einmal als Führungsspringer im Team vorstellen?

Bodmer: Ich weiß noch nicht, ob ich der Typ dafür wäre (lacht). Da muss man einfach abwarten, auch darauf, wer in den nächsten Jahren neu ins Team kommt.

Das Interview führte Johannes Aigner.
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