Benutzer-Login:

NEWSLETTER
JOBS
WERBUNG
IMPRESSUM
Startseite
News
Termine
FIS Live-Ticker
Experten-Kolumnen
Interviews
Bildergalerie
Wissenswertes








Skispringen Kornspitz



Werner Schuster: "Technisch voll auf der Höhe" (18.11.2010)

In diesem Winter startet der Österreicher Werner Schuster in seine dritte Saison als Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft. Nach dem Gewinn der Silbermedaille im Teamspringen bei den Olympischen Spielen möchte er auch beim kommenden Saisonhöhepunkt – den Weltmeisterschaften in Oslo – mit seiner Mannschaft an diesen Erfolg anknüpfen. Zuvor stehen aber ein guter Einstieg in den Winter sowie ein stark verbessertes Auftreten bei der Vierschanzentournee auf dem Plan. Im Interview mit SKIJUMPING.de äußert sich Schuster ausführlich zu den aktuellen Entwicklungen im Materialbereich und spricht über seine ganz persönlichen Prognosen hinsichtlich der neuen Saison.

Herr Schuster, kommt es Ihnen auch so vor, als sei die Saisonvorbereitung in diesem Jahr so anstrengend wie nie zuvor gewesen?

Werner Schuster: Ja, aufwändig war es vor allem im Materialbereich. Das war es zwar in den Jahren zuvor auch, aber in diesem Jahr haben wir einen Paradigmenwechsel. Bisher hat man sich im Sommer immer mit dem Anzug beschäftigt, um im aerodynamischen Bereich das Optimum herauszuholen. Das hat sich nun speziell nach Vancouver auf das Schuh- und Bindungssystem verlagert. Nachdem in diesem Bezug von der FIS keine Einschränkungen kamen, mussten natürlich auch wir uns mit der Materie beschäftigen, um mit der Konkurrenz zumindest gleichzuziehen. Darüber hinaus galt es natürlich auch, die Möglichkeit der Entwicklung eines eigenen Systems auszuloten.

Was sagen Sie zur Entwicklung des Skispringens im Materialbereich?

Schuster: Leider wissen wir noch nicht, was diese neuerliche Materialentwicklung letztlich für die ganze Sportart bedeutet. Ändert man nämlich beim Material eine Variable, so ändert sich oftmals auch das Gesamtsystem. Mit der Anhebung des BMI um einen halben Punkt und der gleichzeitigen Verkürzung der Skilänge geht die FIS definitiv in die richtige Richtung, weil das die Athletik fördert. Das Problem ist, diese Regeländerung wurde im Sommer 2009 noch unter anderen Voraussetzungen beschlossen. Jetzt hat sich das aerodynamische System verbessert, und die Auswirkungen davon sind noch nicht absehbar. In diesem Sommer haben mit den Japanern und auch Kamil Stoch vor allem kleinere Springer die größten Sprünge nach vorne gemacht – die Frage ist, ob die größeren Athleten da mitziehen können oder ob sich der bestehende Trend fortsetzen wird. Wir sind in unserem Team jedenfalls recht breit aufgestellt, haben tendenziell aber mehr größere Springer. Für unsere Sportart wäre diese neuerliche Entwicklung fatal, weil das System über Jahre hinweg gut funktioniert hat. Wir hatten durch die BMI-Einführung das Gewichtsproblem im Griff und auch wenn es richtig war, in dem Bezug die Werte zu erhöhen, muss man die Auswirkungen abwarten. Dies erachte ich als wichtig gerade im Sinne aller Athleten - ohne dabei die nationale Brille aufzusetzen.

Wurden Sie von dieser neuen Entwicklung im Bindungsbereich überrascht?

Schuster: Ohne mich als den großen Macher hinstellen zu wollen, muss ich sagen, dass ich diese Idee mit der neuen Bindung bereits während meiner Trainertätigkeit in der Schweiz hatte. Schon 2007 war Simon Ammann mit diesem krummen Stab im Windkanal. Damals habe ich dieses Teil mit dem Schweizer Techniker entworfen, wir konnten das Problem allerdings nicht komplett lösen, und somit lag das Ganze dann auf Eis. Diese Idee hatten auch schon andere – so ist z.B. ein Patent aus dem Jahr 1993 aufgetaucht, nur hat sich eben damals keiner damit beschäftigt. Leider hatten wir im Sommer 2009 im deutschen Team andere, vordringlichere Aufgaben zu lösen, dass wir zu dem Bindungsthema nicht kamen – Ammann hat es dann mit einem kleinen Team im Hintergrund eingesetzt. Dass das dann als legal eingestuft wurde, war für mich keine Überraschung. Mit solchen technischen Neuerungen wird man immer wieder konfrontiert werden, wir müssen parallel dazu auch versuchen, auf dem Gebiet einmal wieder Vorreiter zu sein.

"Kapazität, etwas ganz Neues zu wagen, hat gefehlt"

Was genau hat Sie daran gehindert, diese Neuerung an der Bindung nicht schon früher zu testen?

Schuster: Das Dilemma war, dass Horst Hüttel (Sportlicher Leiter, Anm. d. Red.) und ich einerseits Erfolge präsentieren wollten und das teilweise mit Athleten, die sich im Herbst ihrer Karriere befinden. Gleichzeitig mussten wir aber ein System aufbauen, das junge Sportler verlässlicher an die Spitze heranführt. Aufgrund dessen hat uns dann die Kapazität gefehlt, etwas Innovatives, ganz Neues zu wagen.

Wie ist die Entwicklung im Moment?

Schuster: Wir sind heuer denke ich auf einem ganz guten Weg, haben früh mit Materialtests begonnen und uns stark auf das Thema individuelle Abstimmung fixiert. Es geht dabei nicht nur um das, was technisch machbar ist, sondern auch was dann im Sprung umsetzbar und effizient ist. Wir sind da auch noch nicht am Ende. Man muss immer auf der Hut sein, wer weiß, was auf dem Gebiet noch kommt. Aber würde der Weltcup morgen beginnen, mir wäre nicht bange. Ich bin der Meinung, wir haben nun ein System, das funktioniert, mit dem wir uns wieder ganz stark auf den Sport konzentrieren können. Hinsichtlich unserer Bestandsaufnahmen vom Sommer in Hinterzarten und in Klingenthal habe ich das Gefühl, dass wir technisch voll auf der Höhe sind.

Nach den durchwachsenen Leistungen bei Skifliegen in der letzten Saison wollten Sie heuer besonders an den Flugfähigkeiten der Athleten arbeiten. Inwieweit konnten Sie dieses Vorhaben umsetzen?

Schuster: Wir hatten angesichts der Regeländerungen andere Schwerpunkte in dieser Saison. Zudem fehlt uns bis dato ein Skiflugspezialist à la Schlierenzauer, Kranjec oder Romoeren in unserem Team. Aber bei der nächsten Skiflug WM 2012 in Vikersund wollen wir uns natürlich anders präsentieren. Ich gehe aber davon aus, dass wir auch im Skifliegen wieder weiter nach vorne kommen, wenn wir auf den kleineren Schanzen gut springen. Ich muss in diesem Jahr einfach hoffen, dass wirklich einer richtig gut in Form ist, dann sollte er auch hier wieder näher heranrücken.

Momentan ist die Mischung aus jungen und alten Springern im Team sehr gut. Was passiert, wenn bald die Arrivierten (Uhrmann, Neumayer, Schmitt) aufhören und sich die jungen Springer nicht mehr daran aufrichten können?

Schuster: Da muss man die Saison abwarten. Ich glaube aber nicht, dass alle drei auf einmal aufhören werden. Es sind alle tolle Charaktere, sehr ruhige Sportler, die auch Transfer schaffen und die Know-How weitergeben. Aus dieser Sicht ist es auch toll zu sehen, wie die jungen Sportler wie der Pascal oder der Andi Wank im Team integriert sind. Nur, wenn die beiden alles alleine tragen müssten, wäre das noch zu früh. Von dem her ist es wichtig, dass die älteren Springer noch dabei sind. Wenn einmal die Verantwortung auf den einen oder anderen zukommt, dann wird das schon eine gute Dynamik bekommen. Vielleicht kommt auch noch ein neuer Springer hinzu, von dem wir jetzt noch gar nichts wissen. Wie das dann konkret sein wird, ist momentan zu hypothetisch. Ich habe den Grundsatz, dass ich Probleme immer dann löse, wenn sie auftreten - und im Moment haben wir das nicht.

Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an den klangvollen Namen Holmenkollen und die dort stattfindende Nordische Skiweltmeisterschaft im nächsten Februar denken?

Schuster: Im Moment eher nichts Gutes, weil wir dort letzten Winter unsere schwächste Saisonleistung abgeliefert haben. Da haben wir also etwas gutzumachen. So kurios es klingen mag, an sich liegt uns die Schanze ganz gut, speziell dem Martin Schmitt und dem Michael Uhrmann. Es gab aber andere Gründe, weshalb das deutsche Team zum Abschluss der vergangenen Saison nicht mehr so viel zustande gebracht hat. Wir freuen uns alle auf die WM. Sie wird mit Sicherheit ein Riesen-Event. Die neu gebaute riesige Anlage zeigt auch den hohen Stellenwert des Skispringens in Norwegen und in Oslo. Wir werden dort natürlich versuchen, an die Erfolge der letzten beiden Großereignisse anzuknüpfen – sprich, wieder eine Medaille zu holen. Jetzt geht es jedoch erst einmal darum, mit der Truppe einen guten Saisonstart hinzulegen. Dabei wollen wir auch vor allem bei der Vierschanzentournee wieder stark verbessert auftreten.

"Masterplan war nicht nur ergebnisorientiert"

Sie gehen jetzt in Ihre dritte Saison als Bundestrainer – stehen Sie rückblickend da, wo Sie vorher stehen wollten?

Schuster: Der Masterplan war nicht nur ergebnisorientiert. Im ersten Jahr stand alles unter dem Aspekt einer neuen personellen Strukturgebung. Viele Stellen wurden mit jungen und internationalen Trainern besetzt, um Übergänge besser zu schaffen, was dann auch sehr schnell gewirkt hat. Im zweiten Jahr wollten wir uns inhaltlich steigern. Das war dann eine harte Zeit, da gab es Punkte, die nicht so funktioniert haben. Wir haben das nun fortgeführt, versuchen im Athletikbereich eine Vereinheitlichung, haben mehr Trainingsberater ins Team geholt, so dass in den Stützpunkten – egal ob Süd, Nord, Ost, West – nach einheitlichen Vorgaben trainiert wird. Das bringt uns ein einzigartiges Dokumentationssystem, welches aber erst in drei, vier Jahren zum Tragen kommen wird. Trotzdem liegen wir definitiv im Plan. Mittelfristig bin ich davon überzeugt, dass uns dieses System nach vorne bringen wird, aber ich denke, erst 2014 wird man diesbezüglich Bilanz ziehen können. Alles in allem bin ich eigentlich zufrieden, gerade weil wir erstmals seit Langem bei Großereignissen wie der WM und Olympia wieder Medaillen erringen konnten. Von dem her sind wir eigentlich schon im Soll.

In Österreich gibt es immer wieder Überflieger. Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern sind nur zwei Beispiele. Ist so einer im deutschen Nachwuchs auch in Sicht?

Schuster: Schlierenzauer ist wahrscheinlich das größte Talent im Skispringen seit Matti Nykänen. Er ist auch vom Kopf her sehr, sehr weit! Natürlich ist es aber unser Anspruch, auch hierzulande die Voraussetzungen für so etwas zu schaffen, nur muss das dann früher beginnen. Da haben wir jetzt nochmal Einfluss genommen um hier die Qualität zu steigern. Wir haben talentierte Springer im Team, Pascal an der Spitze, die haben definitiv das Zeug haben eines Tages wieder einen Weltcup zu gewinnen.

Wie lautet Ihre Prognose für die nächste Saison? Wer sind Ihre persönlichen Favoriten?

Schuster: Es wird extrem schwierig, weil sich auch die Konkurrenz teilweise stark verbessert zeigt. Mika Kojonkoski ist in seinem letzten Jahr als Trainer und unternimmt alles, um in Oslo mit der norwegischen Mannschaft seine glanzvolle Trainerkarriere zu krönen. Die Finnen haben sich wieder sortiert, den Betreuerstab erweitert und mit Hautamäki und Ahonen zwei Haudegen, die das Team ziehen. Dazu kommen zwei, drei Talentierte im Hintergrund und nun auch Anssi Koivuranta - das Team wird also wohl eher stärker sein als letztes Jahr. Die Österreicher wollen den Platz an der Sonne nicht hergeben. Polen ist die aufstrebende Nation. Auch Japan ist im Aufwind und stellt mit Ito sogar den Sommer-Grand-Prix-Sieger. Es wird also härter denn je, gerade auch in Teamspringen. Trotzdem denke ich, dass auch wir in diesem großen Konzert mitspielen werden.

Das Interview führte Johannes Aigner.
Neueste Bildergalerie
ÖSV-Trainingsauftakt, 16.05.2012
ÖSV-Trainingsauftakt, 16.05.2012

Umfrage
Anders Jacobsen erhält einen Startplatz in Norwegens COC-Mannschaft. Richtige Entscheidung?
Ja, so kann er sich gut entwickeln
Nein, er sollte in die Nationalmannschaft

» Ergebnisse zeigen «

Weltcup 2011/2012 (M)
01
Bardal
1325 P.
02
Schlierenzauer
1267 P.
03
Kofler
1203 P.
04
Ito
1131 P.
05
Stoch
1078 P.
06
Freitag
1031 P.
07
Morgenstern
1014 P.
08
Freund
857 P.
09
Kranjec
829 P.
10
Koudelka
796 P.

Nationencup 2011/2012 (M)
01
Österreich
6935 P.
02
Norwegen
4530 P.
03
Deutschland
4353 P.
04
Slowenien
3412 P.
05
Japan
2827 P.
06
Polen
2638 P.
07
Tschechien
2178 P.
08
Russland
918 P.
09
Schweiz
753 P.
10
Finnland
611 P.

Weltcup 2011/2012 (F)
01
Hendrickson
1169 P.
02
Iraschko
779 P.
03
Takanashi
639 P.
04
Gräßler
546 P.
05
Van
482 P.
06
Sagen
454 P.
07
Pozun
422 P.
08
Faißt
409 P.
09
Jerome
395 P.
10
Mattel
328 P.

Continentalcup 2011/2012 (M)
01
Stjernen
1017 P.
02
Gangnes
899 P.
03
M. Hayböck
834 P.
04
Mandl
684 P.
05
Meznar
606 P.
06
Naglic
597 P.
07
Loitzl
570 P.
08
Johansson
559 P.
09
Ingvaldsen
549 P.
10
Swensen
542 P.

Continentalcup 2011/2012 (F)
01
Iraschko
440 P.
02
Hendrickson
420 P.
03
Vtic
256 P.
04
Takanashi
220 P.
05
Rogelj
211 P.
06
Pozun
206 P.
07
Bogataj
182 P.
08
Seifriedsberger
152 P.
09
Vuik
139 P.
10
Sagen
136 P.

Sommer-Grand-Prix 2011
01
Morgenstern
620 P.
02
Stoch
505 P.
03
Hilde
443 P.
04
Schlierenzauer
400 P.
05
Zyla
298 P.
06
Takeuchi
281 P.
07
Freitag
265 P.
08
Karelin
256 P.
09
Kot
222 P.
10
Freund
216 P.


SKIJUMPING.DE SPONSOREN / PARTNER
skoki narciarskie



Copyright © 2008-2012 SKIJUMPING.de. Alle Rechte vorbehalten. Die Nutzung der Webseite wird gemessen durch IVW und AGOF.
apexx CMS & Portalsystem by Stylemotion.de