Sommer-Grand-Prix: Seit der Einführung des Sommer-Grand-Prix im Jahr 1994 müssen Skisprungfans sich nach dem Weltcupfinale nicht mehr etwa acht Monate gedulden, ehe sie ihre Stars wieder bei internationalen Wettkämpfen anfeuern können. Am Samstag beginnt der Sommer-Grand-Prix 2011 (komplett live bei SKIJUMPING.de), bei dem die Athleten wieder in Keramik- statt in Eisspuren anfahren, und nicht auf Schnee, sondern auf Kunststoffmatten landen.
Knackt Gregor Schlierenzauer Malysz' Rekord?
Im Unterschied zum Weltcup finden beim Sommer-Grand-Prix auch Springen von Normalschanzen statt. Ansonsten unterscheiden sich die Sommerwettbewerbe nicht von denen im Winter. Es gibt ebenfalls einen Gesamtsieger, der letztes Jahr Daiki Ito hieß. Und eine Nationenwertung, die zuletzt die polnische Mannschaft gewann. Der erfolgreichste Teilnehmer des Sommer-Grand-Prix ist Adam Malysz – er holte insgesamt 13 Einzelsiege. Da er nicht mehr aktiv ist, könnte ein anderer Springer die Spitze übernehmen. Die besten Karten hat dabei Gregor Schlierenzauer, der bereits zehn Einzelsiege vorweisen kann.
Szczyrk, Almaty und Hinzenbach zum ersten Mal im Kalender
Bei seiner Premiere bestand der Sommer-Grand-Prix aus gerade einmal drei Wettbewerben. In diesem Jahr sind es 13, von denen zehn als Nachtspringen ausgewiesen sind. Den Auftakt bildet die neugeschaffene BeTa- oder schlicht Polen-Tour. Erste Station ist Wisla, wo auf der Adam-Malysz-Schanze ein Einzelwettbewerb ausgetragen wird. Ein solcher wird auch in Szczyrk über die Bühne gehen, das zum ersten Mal Austragungsort eines Sommer-Grand-Prix-Springens ist. Der Abschluss der Polen-Tour findet in Zakopane statt. Auf der Wielka-Krokiew-Schanze wird neben einem Einzelwettbewerb auch ein Teamspringen durchgeführt.
Nach einer zweiwöchigen Pause zieht der Skisprungtross wie jeden Sommer nach Hinterzarten, wo ein Einzel- und ein Teamwettbewerb auf dem Programm stehen. Die nächste Station ist Courchevel in den französischen Alpen, gefolgt vom schweizerischen Einsiedeln. Dann steht eine Reise ins japanische Hakuba an, das seit 1998 bis auf zwei Ausnahmen durchgehend im Kalender des Sommer-Grand-Prix zu finden ist. Danach folgt mit dem Springen in der größten Stadt Kasachstans, Almaty, eine Premiere im Sommer-Grand-Prix. Die moderne Schanzenanlage wurde für die Winter-Asienspiele 2011 errichtet und bereits für ein Continentalcup-Springen genutzt. Auch Hinzenbach in Oberösterreich steht zum ersten Mal im Kalender. Dort wurde ebenfalls eine neue Schanzenanlage erbaut. Das Finale findet wie in den letzten beiden Jahren in Klingenthal statt.
Springt Morgenstern zum dritten Sommer-Titel?
Für die Polen-Tour haben 13 Nationen gemeldet, im Laufe des Sommer-Grand-Prix könnten es noch mehr werden. Denn bislang tauchen beispielsweise weder Schweizer noch Franzosen in den Meldelisten auf. Es ist jedoch anzunehmen, dass sie bei ihren jeweiligen Heimspringen am Start sein werden.
Zu den Titelfavoriten zählt der zweifache Gesamtsieger des Sommer-Grand-Prix, Thomas Morgenstern, der im vergangenen Winter eine überragende Form hatte. Auch Simon Ammann, der 2009 den Sommer-Grand-Prix gewann, ist ein Anwärter auf den Titel – sofern er denn antritt. Ebenfalls in der Favoritenrolle: Kamil Stoch. Der Pole platzierte sich im letzten Sommer auf Rang zwei und möchte nun die Nachfolge von Adam Malysz antreten.
Freund weiterhin bester DSV-Adler
Für Bundestrainer Werner Schuster ist Severin Freund, der im vergangenen Jahr Rang sieben im Endergebnis des Sommer-Grand-Prix erreichte, nach wie vor der stabilste Springer im Lager des DSV. Doch auch Richard Freitag machte auf sich aufmerksam, als er bei einem gemeinsamen Training mit dem polnischen Team auf dem Niveau von Kamil Stoch sprang. Für Freitag ist der Sommer-Grand-Prix jedoch größtenteils Neuland, da er erst an drei Springen teilgenommen hat. Außer Freund und Freitag hat der Bundestrainer für die Polen-Tour Martin Schmitt, Maximilian Mechler, Stephan Hocke und Pascal Bodmer nominiert.
Ob Favorit oder Außenseiter: Wer am Ende des Sommer-Grand-Prix ganz oben stehen will, muss auch bei Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius einen kühlen Kopf bewahren. (akl)