
Vor genau zwei Jahren begann die FIS beim Sommer-Grand-Prix die neu erarbeiteten Regeln für das Skispringen zu testen. Seit dem letzen Winter sind Wind- und Gateregel fester Bestandteil des Weltcups und sollen diesen sicherer und fairer machen. Trotz zahlreicher Befürworter wird das neue Wertungssystem jedoch immer wieder kontrovers diskutiert und kritisiert. Nun sprach Walter Hofer, seit Jahren FIS-Renndirektor und Mitinitiator der neuen Regeln, in einem Interview für die polnische Internetseite skijumping.pl über die Entstehungsgeschichte, die mit der Durchsetzung verbundenen Probleme und das technische Potential des neuen Regelsystems, das in seiner Entwicklung immer noch am Anfang steht.
Schlüsselerlebnis: Weite Sprünge von Gregor Schlierenzauer
Die Idee für eine neue Bewertung der Sprünge rühre zum einen daher, dass er immer öfter beim Aufschlagen der Zeitung das Gefühl gehabt habe, es gebe im ganzen Starterfeld einen glücklichen Gewinner und 49 Pechvögel, die durch schlechten Wind bei der Abrufung ihrer Leistung beeinträchtigt worden seien. Zum anderen sei es mit den alten Regeln schwierig gefallen, einen Wettkampf zügig und mit gleich fairen Bedingungen über die Bühne zu bringen. Aber vor allem habe die Sicherheit der Springer im Vordergrund gestanden, da die erzielten Weiten durch Verbesserung von Material und Training immer größer wurden. Ein Schlüsselerlebnis waren für Hofer die weiten Sprünge von Gregor Schlierenzauer, die klar gemacht hätten, dass sich etwas ändern müsse.
Hofer räumt Fehler ein
Dass anfangs der Spielraum von den Juroren zu weit gefasst und der Anlauf zu häufig verändert wurde, räumt Hofer ein. Deshalb habe man im letzten Winter auch vereinbart, die Anlauflänge direkt an die Besten anzupassen. Ebenso verneint Hofer nicht, dass das neue Regelsystem für die Fans übersichtlicher und verständlicher werden müsse. "Aber ich stelle fest, dass die Akzeptanz für das neue System wächst. Immer mehr verstehen es und diskutieren fachlich darüber. Aber das System ist immer noch in seiner Testphase. Wenn es sich herausstellt, dass es nicht funktioniert, dann kann man immer zum alten zurückkehren", so der FIS-Renndirektor.
Großes Entwicklungspotenzial
Dennoch sehe er im neuen System ein großes Entwicklungspotential und die Weiterentwicklung ist laut Hofer bereits in Planung. Diese verlange allerdings Zeit, Geld und auch etwas Geduld. Vor allem an der Windmessung solle noch gearbeitet werden, was allerdings im Moment technisch schwierig umzusetzen sei. Begonnen habe man mit drei Messwerten, mittlerweile wird an fünf Punkten der Windeinfluss berechnet. Die ideale Anzahl liegt für Hofer bei zehn.
Der Österreicher erklärte außerdem, dass es bei der grafischen Umsetzung bei den Fernsehsendern zu Kommunikationsproblemen gekommen sei: "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen das untereinander regeln und ein Projekt erarbeiten, das allen gefällt." Generell sei er jedoch offen dafür, dass das neue Wertungssystem für alle verständlich und übersichtlicher werde. Schließlich solle es zu keinen Mutmaßungen über die tatsächliche Fairness der Wettbewerbe kommen. (abr)
Foto: Tadeusz Mieczynski