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Skispringen Kornspitz



Werner Schuster: "Stehen vor kleinem Umbruch"

Werner Schuster ist in seinen vierten Sommer-Grand-Prix als deutscher Bundestrainer gestartet. Vor den Heim-Wettbewerben in Hinterzarten äußert sich der 41-Jährige im exklusiven Interview mit SKIJUMPING.de zum bisherigen Verlauf der Sommer-Wettbewerbe, den Chancen der Nachwuchshoffnungen Freund und Freitag, seine allgemeinen Zielsetzungen und Zukunftsaussichten, sowie der Gestaltung der Wettkampf-Kalender in Sommer und Winter.

Herr Schuster, die ersten Wettbewerbe des Sommer-Grand-Prix sind vorüber. Was sind Ihre Erkenntnisse?

Werner Schuster: Wir sind mit der ersten Etappe zufrieden. Wir haben eine gute und verletzungsfreie Vorbereitung hinter uns und wollten hier gleich in Tritt kommen und Fuß fassen. Mit immer zwei Athleten unter den Top Ten ist uns das gut gelungen. Mannschaftlich konnten wir uns gut präsentieren und haben uns als erster Verfolger von Österreich angemeldet. Auf diesem Weg wollen wir weitermachen.

Mit Severin Freund und Richard Freitag konnten ja zwei Springer gute Leistungen zeigen, dahinter sieht es allerdings noch nicht so toll aus.

Schuster: Wir haben ja nicht alle Aktiven am Start gehabt. Michael Neumayer war noch zu Hause und natürlich fehlt uns auch Michael Uhrmann, den wir ersetzen müssen. Dadurch sind Leute gefordert, die in den letzten Jahren punktuell für gute Ergebnisse gesorgt haben, aber nie die Konstanz hatten, um dem deutschen Skisprungsport nachhaltig zu helfen. Sehr zufrieden bin ich mit Stephan Hocke. Er hat sich gut gesteigert. Die Qualität wird besser und er ist auf einem guten Weg.
 
"Wir liegen voll im Plan"

Sie haben vor dem Sommer das Ziel herausgegeben, den Grand Prix offensiver angehen zu wollen, als es in den letzten Jahren der Fall war. Konnte man dieser Zielsetzung gerecht werden?

Schuster: Ja, wir liegen voll im Plan. Wir haben mit Richard Freitag einen zweiten jungen Springer, der vorne mit dabei ist. Er war drei Mal in den Top Ten und das ist ein großer Erfolg. Severin Freund hat im zweiten Jahr seines Aufstiegs eine nicht ganz leichte Aufgabe, die er aber hervorragend bewältigt. Außerdem gut präsentieren konnte sich Andreas Wank, der zuletzt zwei Continentalcups gewinnen konnte und dementsprechend auch in Hinterzarten am Start sein wird. So ist im Gesamten zu erkennen, dass wir vor einem kleinen Umbruch stehen und das stimmt mich positiv.

Welchen Stellenwert rechnen Sie dem Sommer-Grand-Prix zu? Werden die Athleten alle Wettkämpfe mitnehmen?

Schuster: In der ersten Phase waren wir mit einer recht starken Mannschaft am Start und möchten das auch in den nächsten drei Springen fortsetzen. Bei der Asien-Tournee (26.-30. August in Hakuba und Almaty, Anm. d. Red.) werden wir eine veränderte Mannschaft an den Start schicken. Dort wird wohl auch Michael Neumayer dabei sein, der ja momentan sehr stark durch das Studium gefordert ist und am Stützpunkt trainiert. Speziell in Klingenthal werden wir versuchen, vor heimischem Publikum die allerstärkste Mannschaft an den Start zu schicken – von jung bis alt, inklusive nationaler Gruppe.

Durch die Polen-Tour hat der Skisprung-Sommer in diesem Jahr deutlich früher begonnen. Wie passt dieses neue Programm in den Trainingsplan?

Schuster: Im Moment sehr gut. Wir haben das Trainingsprogramm in den letzten zwei Jahren umgekrempelt, haben nun einen nicht mehr ganz so langwierigen Aufbau. Wir versuchen nun, über die Wettkämpfe Selbstvertrauen aufzubauen, was speziell bei den jungen Athleten wichtig ist. Es sind schon viele Sterne im Sommer aufgegangen und auch wir sind momentan in der Lage, junge Springer zu entwickeln. Wir haben versucht, so zu trainieren, dass man natürlich im Winter die Höchstform hat, aber auch schon im Sommer präsent ist.

Der Sommer-Grand-Prix hat für Sie also einen hohen Stellenwert?

Schuster: Sicher. Wir haben das Trainingsprogramm entsprechend ausgelegt. Wir nehmen die Wettbewerbe ernst. Wenn wir hinfahren, möchten wir auch vorne dabei sein. Das ist uns bisher gelungen.

Es ist allgemein festzustellen, dass der Terminkalender für die Skispringer immer voller wird. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Schuster: Ich finde auch, dass es schon sehr viele Wettkämpfe gibt. Ich denke, der Sommer-Grand-Prix, ist wichtig, um den aktuellen Leistungsstand vergleichen zu können. Was mir allerdings nicht gut gefällt, ist die Tatsache, dass das Programm über einen langen Zeitraum angelegt ist. Wir haben von Juli bis Oktober Wettkämpfe. Wenn es organisatorisch machbar ist, wäre es schon schön, das etwas kompakter zu gestalten. Sonst kann es passieren, dass man gezwungen wird, bei manchen Springen einige Aktive außen vor zu lassen und dadurch verliert der ganze Grand-Prix an Wert.
 
"Man muss mit Geduld weiterarbeiten"
 
Sie sind nun in den vierten Sommer-Grand-Prix seit Ihrem Amtsantritt in Deutschland gestartet. Konnten sie rückblickend die Zielsetzungen erreichen, die Sie sich vorgenommen hatten?

Schuster: Wir haben eine sehr schwierige Situation vorgefunden. Es ging darum, Strukturen neu aufzubauen und Vertrauen herzustellen. Es war ein Prozess, der von vielen Hochs und Tiefs geprägt war. Jetzt muss man einfach mit Geduld weiterarbeiten und ich bin zuversichtlich, dass aus der aktuellen Situation etwas Großes entstehen kann.

Wie stark orientiert man sich beim Aufbau der neuen Strukturen am österreichischen System, das ja sehr erfolgreich ist?

Schuster: Dadurch, dass ich das selbst in Österreich mitgestalten konnte, habe ich einen sehr guten Einblick. Auch dort war festzustellen, dass man einfach viel Geduld braucht und sich das dann früher oder später auszahlt. Man muss aber natürlich beachten, dass man das österreichische System auf Deutschland nicht komplett übertragen kann. Deutschland ist natürlich deutlich größer, die Reisewege sind länger. Auch dadurch, dass man nicht ein einziges, sondern mehrere Zentren hat, muss man anders herangehen.

Ähnlich wie Ihre Vorgänger haben Sie zwischenzeitlich sehr schwierige Zeiten durchgemacht. Gab es Zeiten, in denen Sie Zweifel hatten, die Athleten wieder an die Weltspitze heranführen zu können?

Schuster: Natürlich gab es Momente, in denen man eher das wahrnimmt, was noch zu tun ist, und weniger auf das Erreichte blicken kann. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass es in Zukunft erneut solche Momente geben kann. Ich habe aber vom ersten Tag an gemerkt, dass ich das Vertrauen vom Skiverband habe und das hat mir sehr geholfen. So hat man trotz sportlich schwierigen Zeiten die Energie, wieder neu aufzustehen und die Arbeit fortzusetzen.

Es ist zu erkennen, dass die Anzahl von Skiflug-Wettbewerben innerhalb des Weltcups zunimmt und praktisch keine Normalschanzen mehr im Programm sind. Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Schuster: Ich bin für einen ausgewogenen Kalender. Die Normalschanze hat für alle Nationen im täglichen Training großen Wert und sollte auch im Weltcup genutzt werden. Es gibt sicher oft logistische Probleme, aber an sich wäre es von der sportlichen Beurteilung extrem wertvoll, einen ausgewogenen Kalender zu gestalten. Eine große Anzahl von Skifliegen halte ich für nicht sehr sinnvoll, weil man es nicht trainieren kann.

Das Interview führte Marco Ries.



veröffentlicht: 03.08.2011



 
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Übersicht der bisher geschriebenen Kommentare:

Seiten (1): [1]

Franke | 05.08.2011 | 10:17:27

In Deutschland ziehen alle wieder an einem Strang, das ist das Geheimnis, dass es aufwärts geht.Schuster und Hüttel, 2 alte Freunde aus aktiver Zeit, geben die Richtung vor, die anderen ziehen mit. Rohwein und auch Steiert sind in das System eingebunden und machen eine gute Arbeit an ihrem Platz, wie alle anderen auch, ohne Stress zu erzeugen.Wank bekommt wieder die Kurve, Hocke, Mechler offensichtlich auch, andere Junge schließen auf. In Ruhe weiter arbeiten, bei Tiefschlägen zusammenstehen und v.a den Ball schön flach halten. In Deutschland jubeln wir schnell hoch und lassen noch schneller fallen.Alles Gute für das Wochenende, ich freue mich schon auf Klingenthal am 3.Oktober, wie immer vor Ort


mf | 04.08.2011 | 18:58:59

@Thomas Wie du schon gesagt hast, Schuster ist ein klasse Trainer, und mit Freund und Freitag haben wir Deutsche gute Chancen in den nächsten Jahre ganz vorne mitzumischen


Thomas | 04.08.2011 | 18:11:02

Werner Schuster ist sicherlich einer der besten Skisprungtrainer der Welt! Er konnte es auch in Deutschland schon zeigen, denn es geht aufwärts. Wenn jetzt noch Konstanz kommt, dann können andere Nationen einpacken...... irgendwann auch Österreich!


mf | 04.08.2011 | 15:36:39

Werner Schuster ist für den DSV ein Glücksfall ein sehr guter Trainer *gut* = Sehr gut!


viv | 03.08.2011 | 20:17:46

LOL, in Österreich gibts aber auch mehrere Zentren, und nicht nur Innsbruck/Stams. Morgenstern und Koch beispielsweise waren nicht in Stams und starten für den SV Villach. :) = Normaler Smile


Ör | 03.08.2011 | 20:04:17

Sehr gutes Interview!
Für sowas nehm ich mir gerne mal ne minute zeit :-)


Lara | 03.08.2011 | 19:02:20

Jaaaaaaa,
auf jeden Fall!!!!!


Phoenix-85 | 03.08.2011 | 18:16:56

Sehr gutes und vor allem ehrliches Interview! Vor allem die letzte Frage gefällt mir sehr und die Antwort noch mehr^^ Beide Daumen hoch ;-)


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Continentalcup 2011/2012 (F)
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