Ein Hintergrundbericht von Anna Baumgartner
Bald ist es wieder soweit: Am 10. September findet in Reit im Winkl das dritte und vorletzte Springen der diesjährigen Kindervierschanzentournee statt. Das Finale folgt eine Woche später am 17. September in Berchtesgaden. Bereits seit 13 Jahren wird die Internationale Kindervierschanzentournee jeden Sommer in Hinzenbach, Bischofshofen, Reit im Winkl und Berchtesagden ausgetragen und folgt mit je zwei Springen in Österreich und Deutschland dem Modus der "echten" Vierschanzentournee des Winters. Konzipiert für Jungen und Mädchen zwischen sieben und elf Jahren, ausgetragen auf Mattenschanzen bis circa 30 Meter, erfreut sich die Veranstaltung in Skisprungkreisen immer größerer Beliebtheit und zieht mehr und mehr Teilnehmer aus ganz Europa an. Mittlerweile gehen bis zu 150 Nachwuchsadler pro Springen an den Start, die Tendenz ist steigend. Zeit, sich diese einzigartige Wettkampfserie einmal genauer anzuschauen...
Die Idee: Kinder- und Nachwuchsbetreuung attraktiver zu gestalten
Die Idee, im Sommer eine Vierschanzentournee für Kinder auf die Beine zu stellen, kam den beiden ehemaligen Skispringern Ferdinand Wallner vom SC Bischofshofen und Bernhard Zauner vom UVB Hinzenbach im Jahr 1998. Bei einem Glas Bier machten sie es sich zum Ziel, eine Wettkampfserie für Kinder auf Matten zu organisieren. Zu einer Zeit, als Österreich gerade die Bedeutung der Jugendförderung zu erkennen begann, wollten sie ihren Beitrag zur Nachwuchsbetreuung leisten und den jüngsten Skispringern ein Highlight, etwas Außergewöhnliches außerhalb des Trainingsalltags bieten. "Bevor wir damit begonnen haben, unsere Ideen zu einer Kindervierschanzentournee zu realisieren, hat es für Kinder kaum Wettkampserien gegeben. Deshalb wollten wir im Kinderbereich ansetzten, bei der Altersgruppe zwischen Anfängern und Jugendlichen, die eigentlich der meisten Förderung bedarf. Wir haben uns damals zusammengesetzt und überlegt, dass wir ein Event für Kinder organisieren sollten. Und so ist die Idee zur Kindervierschanzentournee geboren", erzählt Bernhard Zauner im
exklusiven Interview für SKIJUMPING.de.
Wettkampfmodus wie bei der "echten" Vierschanzentournee
Schnell einigte man sich darauf, den Wettkampfmodus dem der traditionellen Vierschanzentournee anzugleichen. Nachdem sich auf deutscher Seite die Vereine WSV Reit im Winkl und SK Berchtesgaden als Partner gefunden hatten, konnte die Erste Internationale Kindervierschanzentournee im Sommer 1999 von der Bühne gehen. Schon im ersten Jahr hatte man einen gewaltigen Teilnehmerandrang zu verbuchen. Fast hundert Starter aus vier Nationen waren bei den einzelnen Springen dabei und garantierten die Fortführung dieses Projekts.
Jeden Sommer finden die ersten zwei Springen im Juli auf den österreichischen Schanzen statt; der zweite Teil folgt im September auf deutscher Seite. Eingeteilt in eigene Klassen treten die Jungen und Mädchen gegen ihre Jahrgänge an und beweisen sich mit Sprüngen bis zu vierzig Metern Weite. Neben den Tagessiegen, einer Tourneegesamtwertung, deren Sieger beim feierlichen Finale in Berchtesgaden gekürt wird, gibt es dabei ebenso die Vereinswertung, in der sich die verschiedenen Skiclubs untereinander messen können.
Großer Andrang aus ganz Europa
Auch wenn hierbei die österreichischen und vermehrt deutschen Vereine dominieren, ist die Veranstaltung ebenso attraktiv für die tschechischen, slowenischen und mittlerweile rumänischen und sogar türkischen Nachwuchsspringer, die ihr Potential auf internationalem Parkett messen können. So wird zwar die diesjährige Gesamtführung in der K7-Klasse von Erik Dolderer vom SC Bischofshofen angeführt, der beide Springen in Österreich gewinnen konnte; zwei erste Plätze gelangen dieses Jahr aber auch Ioana Boeriu vom rumänischen Skiteam, das schon vergangenes Jahr den dritten Platz in der Vereinswertung erreichte und großes Potential zeigt. Ebenfalls beim deutschen Nachwuchs deutet sich der langersehnte Aufschwung an.
Mittlerweile ist der Teilnehmerandrang bei der Kindervierschanzentournee sogar so stark, dass nur noch zwei Wertungsdurchgänge ohne Probe stattfinden können, was für die kleinen Skispringer natürlich auch einen enormen Druck bedeutet. Dennoch soll so lange wie die Veranstaltung durchführbar bleibt keine Startbegrenzung eingeführt werden, da das Ziel ist, jedem Interessierten eine faire Chance und Startmöglichkeit zu geben. Trotzdem betont Mitinitiator Bernhard Zauner, dass hierbei auch aufgepasst werden muss, da es für die jungen Springer nicht zu stressig werden darf: "Wenn es weiter so gut läuft, werden wir wohl das Starterfeld nach unten begrenzen müssen, weil wir die Veranstaltung als Ganzes sonst nicht mehr durchbringen können. Aber derzeit funktioniert alles noch sehr gut."
In der Zwischenzeit haben auch andere Vereine aus verschiedenen Ländern ihr Interesse an der Zusammenarbeit kundgetan oder versucht, die Wettkampfserie nachzuahmen. Diese Bemühungen waren aber meistens nach kurzer Zeit zum Scheitern verurteilt; und da die Veranstaltung für Kinder eine Vierschanzetournee bleiben und nicht zu einer Zehnschanzentournee ausufern soll, sind es seit 1999 auch immer dieselben Veranstalter, die koordiniert durch Wolfgang Roithner den reibungslosen Ablauf und die stetige Verbesserung der Wettkampfserie garantieren.
Das Sprungbrett zur Springerkarriere?
Bereits 2008 betonte Ferdinand Wallner, dass man nur über so eine Masse an Springern, wie sie bei der Kindervierschanzentournee vertreten seien, Spitzenathleten finden würde und somit auch sicherlich Vorarbeit für den österreichischen Skiverband leiste. Anders als der medienwirksame "Goldi Talente Cup", bei dem sich Andreas Goldberger jedes Jahr unter die jungen Skiläufer begibt, die noch nie Skisprungtraining absolviert haben, und hier potentiellen Skisprungnachwuchs sucht, geht es für die Organisatoren der Kindervierschanzentournee vor allem darum, diejenigen Springer zu fördern, die bereits seit einiger Zeit im Training sind. Für diese soll eine zusätzliche Motivation geschaffen und erste Wettkampferfahrung ermöglicht werden.
Tatsächlich offenbaren sich hier schon Talente, die man einige Jahre später im Weltcup wieder sehen kann. So kann man auf den Startlisten der letzten 13 Jahre Namen finden, die jedem Skisprungfan etwas sagen. Nicht nur Gregor Schlierenzauer ist hier anzutreffen, auch die Tschechen Antonin Hajek und Roman Koudelka wie die Hinzenbacher Hoffnung Michael Hayböck haben einst erfolgreich an der Kindervierschanzentournee teilgenommen. Umso aufregender mag es für die Kleinen sein, wenn sie oben am Anlauf auf ihren Start warten und vielleicht schon von den großen Erfolgen träumen. "Wenn die Kinder sehen, dass man applaudiert und Interesse an ihnen zeigt, wachsen sie über sich hinaus. Das ist das Schöne daran", begeistert sich Koordinator Wolfgang Roithner über die Motivation der jungen Springer.
Trotz des Erfolgs: Immer wieder Sponsorenprobleme
So einzigartig die Tournee für Kinder auch in Europa sein mag und so beliebt sie bei den Aktiven ist, hat sie auch um ihre Existenz zu kämpfen. Vor einigen Jahren hatte es Schwierigkeiten gegeben, einen Hauptsponsor zu finden, der die Durchführung der Veranstaltung sichern würde. Nun sind diese Probleme glücklicherweise beseitigt. Seitdem die Veranstaltung einige Sponsoren gefunden hat, kann das gute Niveau gehalten und die Wettkampfserie stetig verbessert werden, um die Nachwuchsadler auch weiterhin für ihren Sport zu begeistern. Schließlich geht es um die Zukunft des Skispringens.