
Nach seinen beiden Weltcup-Siegen in der vergangenen Saison, startet Severin Freund in diesem Jahr als großer deutscher Hoffnungsträger in den Winter. Im SKIJUMPING.de-Interview mit Marco Ries erklärt Freund, wie er die kommende Saison angeht, welche Ziele er sich gesetzt hat und wohin sich das deutsche Skispringen langfristig entwickelt.
Severin, wie hast du den Sommer verbracht?
Severin Freund: Es war ein interessanter Sommer. Die letzte Saison ist ja für mich richtig gut gelaufen, aber wenn man das Ganze mit Abstand betrachtet und sich Videos ansieht, dann sieht man nach wie vor Verbesserungsbedarf. Daher ist mir im Sommer sicherlich nicht langweilig geworden, wir haben einiges ausprobiert.
Zum Beispiel?
Freund: Beispielsweise habe ich mich mit dem Bindungsthema auseinandergesetzt. Mir gefällt es, dass es hier einen Bereich gibt, wo nicht alles ganz streng reglementiert ist und man ein bisschen Tüfteln kann. Durch die Regeländerungen gibt es außerdem natürlich immer Dinge, die man zwingend ausprobieren muss. Auch in Hinblick auf die Skiflug-WM habe ich etwas am Flug gearbeitet. Langweilig war es mir definitiv nicht. (lacht)
Du hattest ja im Sommer mit Rückenproblemen zu kämpfen. Spürst du noch irgendwelche Nachwirkungen?
Freund: Momentan spüre ich davon nichts, ich kann ganz normal trainieren. Natürlich ist Leistungssport nicht unbedingt der gesündeste Sport, aber im Endeffekt muss man sich dann eben auskurieren und dann geht es weiter. Ich denke nicht, dass mich das zurückgeworfen hat.
"Erwartungen von außen werden höher"
Letztes Jahr konntest du zwei Weltcupsiege erzielen, nun startest du in die schwierige zweite Saison. Spürst du die höhere Erwartungshaltung von außen?
Freund: Letztes Jahr hatte ich sicher keinen großen Druck, auch wenn schon im Sommer das ein oder andere gute Ergebnis dabei war. Heuer hatte ich im Sommer wieder einige gute Ergebnisse, aber im Endeffekt ist der Druck am größten, den man sich selbst macht. Sicher werden auch die Erwartungen von außen höher, aber im Endeffekt konzentriere ich mich nur auf den Sprung.
Die Saison ist ohne großes Highlight, ohne Nordische Ski-WM, ohne Olympia. Ist die Skiflug-WM nun das Hauptziel?
Freund: Mir ist auch die Vierschanzentournee wichtig.
Aber die gibt’s ja jedes Jahr.
Freund: Aber wenn man bei einem Wettkampf der Vierschanzentournee dabei ist und das miterlebt, sieht man schnell den besonders hohen Stellenwert. Um da vorne dabei sein zu können, muss man aber auch gut in die Saison starten. Klappt das nicht, kann man bis zur Tournee hin nicht mehr viel ändern.
Was genau macht für dich den besonderen Reiz der Tournee aus?
Freund: Es sind zwei der traditionsreichsten Länder im Skispringen. Es sind vier Schanzen, die sehr unterschiedlich sind. Es gibt einen anderen Wertungsmodus als im normalen Weltcup. Wenn man einen Sprung verhaut, kann die komplette Tournee vorbei sein. Das macht die besondere Atmosphäre der Vierschanzentournee aus, die einfach Wahnsinn ist.
"Nicht viel Zeit zum Erholen"
Im letzten Jahr konntest du zwei Mal ganz oben auf dem Podest stehen. Wie oft willst du das in der kommenden Saison erleben?
Freund: Es wäre schön, wenn das wieder passiert. Das ist etwas, das man nicht als selbstverständlich ansehen darf. Walter Hofer hat mir nach dem ersten Weltcupsieg gesagt, dass man den ersten Sieg nicht macht, sondern dass er passiert. Und er hat Recht. Ich bin nie mit dem Anspruch in einen Wettkampf gegangen, dass ich gewinnen möchte. Man schaut auf seine Sprünge und freut sich umso mehr, wenn man am Ende ganz oben steht.
Wie hast du dich von der vergangenen Saison erholt?
Freund: Viel Zeit zum Erholen hatte ich gar nicht, weil es ja immer relativ schnell mit dem Athletiktraining weitergeht. Aber ich habe sicher einige Momente gefunden, wo ich den Kopf freibekomme und nicht immer nur ans Skispringen denke. Ich habe Urlaub in Kroatien gemacht, aber ansonsten gibt es nichts Spezielles, das ich getan habe, um mich vom Winter zu erholen.
Bist du mit deinem Studium vorangekommen oder liegt das derzeit auf Eis?
Freund: Im Sommer habe ich etwas dafür gemacht, habe auch Prüfungen geschrieben. Das tut auch ganz gut, um ein bisschen abzuschalten und sich voll auf etwas anderes zu konzentrieren. Vor allem in einem Sport wie dem Skispringen ist es so, dass es nichts bringt, wenn man zu viel nachdenkt. Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem man nicht mehr schlauer wird.
Wie siehst du die Entwicklung der internationalen Konkurrenz?
Freund: Natürlich sind die Österreicher nach wie vor ganz stark. Gregor Schlierenzauer traue ich einiges zu. Thomas Morgenstern war in Hinzenbach nun etwas schwächer, aber man kann nicht davon sprechen, dass er einen Einbruch gehabt hätte. Im Skispringen ist nichts unmöglich. Wenn wir lange genug arbeiten, ist auch für uns alles drin. Irgendwann wird der Tag kommen, dass wir auch mal die Österreicher schlagen.
Hälst du es für möglich, dass der Tag schon in dieser Saison kommt?
Freund: Das hoffe ich natürlich. In einem Team-Wettkampf geht es darum, dass wirklich jeder seine optimale Leistung bringt. Natürlich gehört auch etwas Glück dazu. Dann ist es sicher drin, aber man kann jetzt nicht davon sprechen, dass wir alles in Grund und Boden springen werden.
"Sehe mich nicht in der Favoritenrolle"
Gregor Schlierenzauer hat dich schon zu den Favoriten gezählt. Ist das ein Ansporn für dich?
Freund: Ich sehe mich selbst nicht in der Favoritenrolle, sondern eher in der Rolle des gefährlichen Außenseiters. Favoriten sind solche Leute wie Schlierenzauer oder Morgenstern, die Weltcups in Serie gewinnen. So weit war ich im letzten Jahr nicht und soweit bin ich wohl auch im Moment noch nicht. Aber natürlich ist es Ziel, dorthin zu kommen.
Wie weit bist du davon entfernt?
Freund: Das ist ganz schwer auszudrücken. Im Skispringen ist es so, dass man oft nur kleine Dinge ändert, die dann eine große Wirkung haben. Vom vorletzten Winter zum Sommer habe ich eigentlich nicht viel verändert, bin aber sofort deutlich weiter gesprungen. Genau das macht für mich auch die Faszination des Skispringens aus.
Du warst im letzten Winter mehr oder weniger alleiniger Hoffnungsträger für Deutschland. Nun hat sich Richard Freitag im Sommer noch stark präsentiert. Baut das für dich in Hinblick auf den Winter einen gewissen Druck ab?
Freund: Ich mag das Wort "Druck" nicht. Sicher sind die Erwartungen von außen einfacher, wenn sie auf vier Schultern lasten – trotzdem weiß man nie, wohin die Reise geht. Ich finde es gut, dass er vorne mitspringt. Aber in erster Linie freue ich mich darüber, weil es die gesamte Mannschaft stärker macht. Im Endeffekt ist es unser Ziel, als Mannschaft weiter nach oben zu kommen und er kann zum Großteil dazu beitragen.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute für den Saisonstart!
| Tobi | 22.11.2011 | 20:49:11 |
Bis Deutschland mal Österreich im SKispringen schlägt, springt Freund gar nicht mehr xDD
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| Marcel | 22.11.2011 | 14:04:46 |
Da nimmt sich aber jemand was vor... 
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| barbara | 21.11.2011 | 09:41:27 |
traue severin so einiges zu. bin schon sehr gespannt auf die kommende saison.
denke für die österreicher wird es schon einiges an konkurenz geben, auch stoch wird zu beachten sein.
und ja, die ewigen schlierenzauernörgeleien neeeeeeeerven!
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| sabine | 21.11.2011 | 09:30:05 |
manchen leuten muss schon sehr langweilig sein, wenn sie nichts anderes zu tun haben, als zu wirklich JEDEM artikel einen seitenhieb oder negative äusserung gegenüber schlierenzauer loszulassen.
auch wenn der artikel gar nichts mit ihm zu tun hat.
versteh ich nicht ganz.
gibt doch wichtigere themen.
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| markus | 21.11.2011 | 09:26:44 |
@markus oder simmi ;-):
also ich kann damit leben, aber der meinung bin ich ja nicht alleine.
und verwechsle mich nicht mit marcel.
und warum sollte mein kommentar nicht passen?
wenn du hier so einen kommentar postet und das mit voller absicht um zu provozieren, dann darfst du dich nicht wundern, wenn einige darauf reagieren
bin ja, wie du siehst, nicht der einzige.
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| aut | 20.11.2011 | 21:57:53 |
Alles Gute Severin und auch deinen Kollegen. Ich finde die deutschen Schispringer auch recht sympatisch und lese gerne solche Interviews.
Schöne Grüsse aus Österreich.
@Simmi
Lass die Leute einfach so leben, wie sie leben wollen.
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| @ markus | 20.11.2011 | 21:38:50 |
Dein Kommentar passt noch weniger zum Artikel. Selbst wenn du noch so krampfhaft versuchst, gegen jede kleine Stichelei gegen Schlieri anzurennen, wird es trotzdem weiter solche spitzen Bemerkungen geben. Es bringt einfach nichts immer auf so etwas anzuspringen, dadurch provozierst du nur weitere Spitzfindigkeiten!
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| markus | 20.11.2011 | 19:05:49 |
@simmi: was ist schlecht an einer eigenen modelinie? ist nicht der einzige sportler der diesen weg einschlägt.
aber manche müssen immer ihren senf dazugeben, obwohl es hier gar nicht her passt.
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| evi | 20.11.2011 | 18:45:54 |
nett, lieb, überflüssig, langweilig.
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| @Simmi | 20.11.2011 | 18:07:16 |
ohne seitenhieb gehts nicht, oder was?
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