
Im Interview mit Pressesprecher Florian Kotlaba erklärt Österreichs Erfolgstrainer Alexander Pointner die Ziele für den anstehenden Winter und die aktuelle Situation der Mannschaft kurz vor Saisonbeginn.
Alexander Pointner, ihr hattet eine perfekte letzte Saison. Ist es jetzt schwierig für den kommenden Winter neue Ziele zu definieren?
Alexander Pointner: Nein, es ist genauso ein Ziel, sich weiterzuentwickeln, dass wir mit der Situation immer besser zurechtkommen. Wir hatten schon einige gute Saisons und es hat immer geheißen, es wird schwierig, das zu toppen. Die Challenge ist es, mit der Situation zurechtzukommen, frei zu bleiben und im Sommer Weiterentwicklung für jeden zu erfahren und im Winter das abzurufen, was man sich erarbeitet hat.
Stichwort Sommervorbereitungen: Wie zufrieden bist du? Wie ist es verlaufen? Wie war es bis jetzt, bevor die ersten Schneesprünge kommen?
Pointner: Es war sehr gut. Ich war in allen Bereichen sehr zufrieden. Wir haben uns weiterentwickelt, dass wir das Training der Basiskompetenzen auch in den Stützpunkten, dass wir da die Zusammenarbeit noch verbessern. Und dann das Wettkampfcoaching im Sommer-Grand-Prix ist auch optimal verlaufen. Und ich glaube, unser System verbessert sich von Saison zu Saison. Es ist ein Miteinander im ganzen Team, im ganzen Österreichischen Skiverband und da können wir uns sehr glücklich schätzen.
Im letzten Winter war in dieser starken Mannschaft der Thomas Morgenstern der große Star, die Farben rot-weiß-rot sind ein bisschen herausgestochen. Wie schätzt du deine Sportler, deine Mannschaft für den kommenden Winter ein?
Pointner: Für mich sind es alle höchstprofessionelle Sportler. Für mich zählt natürlich immer die Gesamtmannschaft. Nach außen hin gibt es natürlich immer einen, dem es ein bisschen besser geht, einem anderen ein bisschen schlechter. Aber grundsätzlich muss man sagen, wir haben fünf Siegspringer. Wir haben mit David Zauner und Manuel Fettner zwei Springer, die absolute Topleistungen bringen. Und dann mit Michael Hayböck und mit Stefan Kraft zwei Springer, die auf dem Weg in die Weltcup-Mannschaft sind. Und da haben wir eine sehr kompakte Mannschaft mit verschiedenen Zielsetzungen und da können wir uns auf den Winter freuen.
Du sagst es ja schon: Österreich hat sechs, sieben, acht weltcup-taugliche Skispringer, aber im Moment nur sechs Startplätze für den Weltcup. Wie seid ihr da im Vorhinein herangegangen? Wer darf jetzt in Kuusamo starten und wie seid ihr zu dieser Entscheidung gelangt?
Pointner: Die Grundsatzentscheidung ist eigentlich bei der Saisonanalyse gefallen. Da war es definitiv kein erklärtes Ziel, in der ersten Periode mit den maximalen Startplätzen von sieben an den Start gehen zu müssen. Natürlich wenn wir sie haben, dann ist es schön. Aber das Ausbildungsziel von unseren jüngeren Springern war, nicht den Startplatz zu holen, sondern dass sie Erfahrung auf Weltcup-Niveau sprich dem Sommer-Grand-Prix wieder machen können. Das hat sich auch bezahlt gemacht, gerade mit Michael Hayböck, der einiges dazugelernt hat, in Wettkampfsituationen und auch in der Gesamtausbildung. Und auch mit Andreas Strolz, der leider jetzt verletzt ist, aber es hat funktioniert. Ein erklärtes Ziel ist es jetzt natürlich, zur Tournee mit sieben Startplätzen an den Start zu gehen. Das ist der erste Saisonhöhepunkt. Und wie gehen wir damit um? Wir haben uns schon im Vorfeld entschieden, mit unseren fünf Siegspringern plus Manuel Fettner an den Start zu gehen. David Zauner, der ja die gesamte letzte Saison verletzt war, jetzt aber auf einem Top-Level springt, dem haben wir den Einstieg in den Winter dadurch etwas erleichtert, dass er in Lillehammer an den Start gehen wird. Wie wir dann mit der Situation umgehen, wird sich nächste Woche entscheiden. Wichtig ist, dass wir dann nächste Woche in Ruhe in Lillehammer trainieren können.
Du sagst es schon, die unmittelbare Vorbereitung für Kuusamo war nicht ganz so wie geplant. Ihr seid ohne Schneesprünge zum Weltcup-Auftakt nach Kuusamo gekommen. Verkompliziert das das Ganze ein bisschen, macht das ein bisschen unsicher? Wie siehst du das?
Pointner: Das kommt immer auf die Sichtweise an. So wie die Situation jetzt ist, ist es das Beste, was wir machen konnten. Unser Ziel wäre gewesen in Lillehammer zu trainieren, so wie wir es immer machen. Drei, vier Tage ganz in Ruhe in Lillehammer, wo wir optimale Trainingsvoraussetzungen vorfinden. Es ist ein bisschen weit weg von zu Hause, jeder hat sonst keine Verpflichtungen, da kann man da oben in Ruhe trainieren und bekommt auch relativ viele Sprünge zusammen. Das war nicht möglich, das war für keine Nation möglich. Und deswegen hat es die Entscheidung gegeben, direkt nach Kuusamo zu fliegen mit vollen Energietanks, die wir die letzten drei, vier Wochen aufgefüllt haben. Und direkt einzusteigen, denn es gibt keine Mannschaft, die auf einem höheren Level springt als wir. Und wenn wir ausgeruht sind, können wir darauf zugreifen und das werden wir jetzt machen. Mal schaun, es kann sein, dass wir ganz ohne Schneesprünge in das erste Weltcupwochenende starten, wie es jetzt aussieht, aber das darf für uns kein Problem sein und da werden wir sicherlich keine Ausreden suchen.
Nur kurz zum bevorstehenden Wochenende: Kuusamo zeigt sich leider heute und auch vom Wetterbericht her von seiner schlechten Seite. Es war bisher kein Springen möglich. Wie schätzt du die Möglichkeiten fürs Wochenende ein?
Pointner: Ich sehe ein tolles Weltcupwochenende vor der Tür stehen, das auch eine Challenge ist für unsere Mannschaft natürlich, weil es jetzt so gekommen ist, dass wir sicherlich die beste Sommervorbereitung, die wir je gemacht haben, hinter uns haben. Aber jetzt müssen wir direkt auf Schnee gleich in den Wettkampf starten. Das ist eine Herausforderung, mit der meine Mannschaft, glaube ich, sehr gut zurechtkommt. Es stellt sich jeder optimal auf das ein und das erwarte ich von den Athleten und auch vom ganzen Betreuerteam, dass die Athleten da auch bestmöglich unterstützt werden. Es fängt mit einem Teamwettkampf an, das ist genau das Richtige zu dem Zeitpunkt, jeder sitzt im gleichen Boot. Da müssen alle richtig zusammenhelfen, dass da ein anständiges Ergebnis bei herauskommt.