Weltcup: Die Vierschanzentournee wird 60! Anlässlich des Jubiläums der "alten Dame" blicken wir auf verschiedene Fakten und Kuriositäten aus 60 Jahren Tourneegeschichte zurück. Neben sicher bekannten Fakten wie der Grand-Slam von Sven Hannawald bei der 50. Tournee sind sicher auch die ein oder anderen Details dabei, die dem Skisprungfan bisher unbekannt waren:
Zweite Tournee kurz vor Absage
In der Saison 1953/1954 stand das Auftaktspringen in Oberstdorf kurz vor der Absage. Grund: Schneemangel! Die Organisatoren sagten den Wettbewerb ab, doch die österreichische Mannschaft, in Unkenntnis dieses Beschlusses, reist dennoch an - und gleichzeitig kommt auch der Schnee. Der Veranstalter reagiert schnell, gibt den übrigen Skiverbänden telegrafisch Bescheid. Die Fluggesellscahft SAS verschob kurzfristig einen Flug um einen halben Tag, so dass auch die Athleten aus Skandinavien rechtzeitig anreisen konnten. Und es wurde gesprungen!
Sieg nach langer Party-Nacht
1955/1956. Der finnische Skispringer Hemmo Silvenoinen durchzechte die Silvesternacht vor dem Neujahrsspringen in Partenkirchen. Der finnische Mannschaftsführer wollte ihn daraufhin bestrafen und aus der Startliste streichen, gab auf Bitten der übrigen Athleten aber nach. Der verkaterte Skispringer bedankte sich auf eine ganz besondere Weise: Er gewinnt das Neujahrsspringen.
Verlegung auf die Zinkenschanze in Hallein
Ebenfalls in der Saison 1955/1956: Schneemangel an allen Orten. Während man in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck Schnee aus den Alpenhochtälern besorgen konnte, musste das Abschlussspringen von Bischofshofen auf die Zinkenschanze in Hallein verlegt werden.
Heini Klopfer und der Versuch, die Windbedingungen zu verschleiern
Eine ganz besondere Methode dachte sich der Skispringer und Schanzenbauer Heini Klopfer aus, um die Windbedingungen in Oberstdorf zu verschleiern: Klopfer stand mit der Fahne am Schanzentisch und gab für die jeweiligen Skispringer das Startsignal. Damit diese die Windbedingungen nicht vorhersehen konnten, tauchte er die Fahne in Wasser ein, so dass sie nicht mehr flattern konnte.
Bischofshofen: Springen wird auf Normalschanze verlegt
Auch in der Saison 1957/1958 hatte das österreichische Bischofshofen mit erheblichem Schneemangel zu kämpfen. Der Fremdenverkehrsverband verhinderte das Vorhaben, den Schnee vom Radstädter Tauernpass abzuholen und so reichte die geringe Menge an Schnee nur für die Präparierung der Normalschanze. Den Wettbewerb entschied der DDR-Springer Helmut Recknagel mit Weiten von 54 und 58,5 Metern für sich.
Sportreporter muss vier Stunden Sendezeit überbrücken
ZDF-Sportreporter Bruno Moravetz (bekannt durch "Wo ist Behle?") musste in der Saison 1978/1979 vier Stunden Sendezeit überbrücken, ohne einen einzigen Sprung kommentieren zu können. Grund: Ein extremer Temperatursturz in der Nacht machte es den Veranstaltern unmöglich, die völlig vereiste Schanzenanlage wettkampffähig zu machen.
Technischer Delegierter stürzt vom Schanzentisch
Der Technische Delegierte des Internationalen Skiverbandes FIS, Torgeir Nordby aus Norwegen, stürzte in Garmisch-Partenkirchen bei der Vermessung der Schanzenanlage vom Schanzentisch - Beinbruch! Nordby musste im nahe gelegenen Krankenhaus operiert werden, seinen Posten gab er an den Mannschaftsführer der Jugoslawen, Alojz Gorjanz, ab.
Sven Hannawald schafft den Grand-Slam
Das dürfte (fast) jedem bekannt sein: Der deutsche Skispringer Sven Hannawald gewinnt beim 50. Jubiläum der Vierschanzentournee alle vier Springen. Bis heute ist er damit alleiniger Rekordhalter. Heute, zehn Jahre später, loben die Veranstalter dem Springer, dem dasselbe Kunststück gelingt, das Rekordpreisgeld von einer Million Schweizer Franken aus.
Eine Tournee, zwei Sieger
Bei der 54. Vierschanzentournee in der Saison 2005/2006 gewinnen gleich zwei Athleten: Janne Ahonen aus Finnland und der Tscheche Jakub Janda erreichen beide 1.081,5 Punkte. "Pech" für den Sponsor: Ein Autohersteller musste gleich zwei Siegerautos zur Verfügung stellen. Beim Privatsender RTL schickte man die Zuschauer in der Annahme, Ahonen sei alleiniger Sieger, in die Werbepause - um etwa fünf Minuten später zu verkünden, dass es erstmals zwei Sieger gibt.
Drei Tagessiege, aber kein Gesamtsieg
Gleich vier Skispringer vollbrachten das Kunststück, zwar drei Tagessiege zu holen, letztendlich die Vierschanzentournee aber nicht für sich zu entscheiden. So erging es dem Norweger Ingolf Mork, Yukio Kasaya aus Japan und den Österreichern Karl Schnabl und Toni Innauer.
Erste Absage nach 56 Jahren
In der Saison 2007/2008 machte vor allem die Absage des Bergiselspringens in Innsbruck Schlagzeilen. Aufgrund eines Föhnsturms war zu keinem Zeitpunkt an Skispringen zu denken, der Wettbewerb musste daraufhin in Bischofshofen nachgeholt werden. Seitdem ist die Schanzenanlage am Bergisel mit einem Windnetz ausgestattet. (mrs)