
Und wieder sind die Österreicher die Abräumer der Saison. Führung im Gesamt-Weltcup durch Andreas Kofler, Sieg der Vierschanzentournee durch Gregor Schlierenzauer und haushohe Führung im Nationencup. Doch mit jedem Sieg steigt die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit und seit dieser Saison ist es auch immer öfter anderen Nationen vergönnt, vorne mitzumischen. Im Interview mit SKIJUMPING.de-Redakteurin Anna Baumgartner spricht Cheftrainer Alexander Pointner über das Potenzial seiner Superadler, die Schattenseiten des Erfolgs und über das gesteigerte Medieninteresse, das zuletzt Gregor Schlierenzauer zu schaffen machte.
Herr Pointner, ihre Superadler Kofler, Schlierenzauer und Morgenstern sind diese Saison wieder enorm stark, das Medieninteresse natürlich unverändert groß. Wird das manchmal zu viel für die Athleten?
Alexander Pointner: Ich glaube wir machen sehr viel, dass unsere Sportler nicht überlastet werden. Dies gilt auf sportlicher Ebene, auf der Ebene der Medien und ebenso bei den Sponsoren. Wir entwickeln uns auch in diesen Bereichen weiter und grundsätzlich funktioniert unser System hier optimal. Dadurch, dass wir fünf Siegspringer haben, gibt es sicherlich immer Mal Ausnahmesituationen, vor allem dann, wenn nach einem Springen noch verschiedene Aufgaben warten.
Gerade Gregor Schlierenzauer klagte nun zuletzt nach dem Fliegen am Kulm darüber, dass ihm die Aufmerksamkeit und die Verpflichtungen außerhalb der Schanze zu viel würden.
Pointner: Da war nun an diesem Kulm-Wochenende auch eine spezielle Situation, als sein Reißverschluss sich nicht schließen ließ. Man darf hierbei ja nicht vergessen, dass die Erwartungen an unsere Siegspringer sehr hoch sind. Dann gab es da gleich zwei Wettkämpfe an einem Tag und ein turbulentes Springen mit sehr viel Wind und unterschiedlichen Verhältnissen. Durch die Disqualifikation wegen des Problems mit dem Reißverschluss war der Druckabfall bei Schlierenzauer dann natürlich anders als bei normalen Springen, wo alles nach Plan läuft.
Er hat einfach seinen momentanen Gefühlszustand kundgetan. Ich glaube, da waren viele Emotionen in ihm und er hat ehrlich nach außen getragen, wie es ihm geht. Und in diesem Moment dann noch eine Live-Sendung auf dem Programm zu haben, war auch keine leichte Situation für ihn.
"Keine Zeit, Geschehnisse zu verarbeiten"
Gregor Schlierenzauer forderte auch, dass der ÖSV sich etwas einfallen lassen müsste, um die Medientermine einzudämmen; ebenso sei ein einziger Pressesprecher für das ganze Team zu wenig. Wie sehen Sie das?
Pointner: Natürlich gibt es immer Kleinigkeiten, die verbessert werden könnten. Aber gerade Gregor Schlierenzauer war beispielsweise sehr zufrieden, wie wir das ganze Umfeld bei der Vierschanzentournee gestaltet haben. Und gerade was den Pressesprecher angeht, muss bedacht werden, dass die FIS im Auslauf nur einen Pressesprecher erlaubt. Bei den Olympischen Spielen sogar gar keinen.
Haben sich die Wogen inzwischen geglättet? Hat sich Gregor Schlierenzauer erholen können?
Pointner: Ja, es ist einiges aufgearbeitet worden. Wie man im Training gesehen hat, ist er wieder glücklich und hat Spaß am Springen. So wie der Gregor sich in den letzten Jahren entwickelt hat, sind da oft emotionale Sachen rausgebrochen. Wenn man aber schaut, wie ruhig er die Vierschanzentournee gemeistert hat, dann war das super und man darf nicht vergessen, dass er noch so jung ist. Er hatte nach der Tournee keine Zeit, die Geschehnisse zu verarbeiten. Es ist ja menschlich dann einmal zu sagen "ich brauche Zeit, um das alles zu verarbeiten".
Wir wollen daraus jetzt keine große Sache machen – das will keiner. Schließlich wissen wir es zu schätzen, in welchen Bereichen wir arbeiten dürfen. Wir wissen auch genau, dass es uns sehr gut geht mit unserer Arbeit. dass andere auch hart, oftmals sogar härter arbeiten müssen als wir. Dafür hat auch Gregor sehr große Wertschätzung. Aber das, was wir machen, geschieht nun einmal in der Öffentlichkeit und ist mit viel mentalem Druck verbunden. Wenn es mal zu viel wird, bricht es heraus.
"Schlierenzauer und Morgenstern sind Ausnahmeerscheinungen"
Wie sieht es im ÖSV-Team mit dem Nachwuchs aus? Hat der es nicht schwer, sich bei so viel Medieninteresse und dem großen Leistungspotenzial, das an der Spitze des Teams herrscht, zu entwickeln?
Pointner: In Österreich ist es natürlich schwierig, in die Weltcup-Mannschaft zu kommen. Wir versuchen aber immer wieder jungen Springern die Tür zu öffnen, damit sie Erfahrungen im Weltcup sammeln können. Es ist dabei natürlich kein Geheimnis, dass unsere Siegspringer eine gewisse Position inne haben und auf ihre Form geachtet wird. Schließlich übernehmen sie auch Verantwortung für das österreichische Skispringen. Sie können mit der Erwartungshaltung umgehen, die an sie gestellt wird und die sie wiederum an sich selbst stellen. Die Springer, die jetzt noch keine Siegspringer sind, werden vorbereitet, damit sie die Position der heutigen arrivierten Springer einmal übernehmen. Natürlich sind wir in einer glücklichen Lage, dass wir so viele Spitzenspringer haben. Da steckt harte Arbeit von meinen Trainerkollegen dahinter.
Oftmals ist es auch schwierig für die jungen Springer damit umzugehen, dass ein Morgenstern oder Schlierenzauer schon mit 16 Jahren in der absoluten Weltspitze angekommen waren und schon siegen konnten, aber das ist ja nicht der übliche Weg. Schlierenzauer und Morgenstern sind Ausnahmeerscheinungen. Unser Ziel war es, dass diese Ausnahmeathleten auf Dauer an der Weltspitze bleiben. Das ist uns gelungen. Nun ist es wiederum unsere Aufgabe, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es eigentlich normal ist, erst mit 19, 20 oder 22 Jahren in die Weltspitze zu kommen und alles Schritt für Schritt zu machen.
Dennoch scheint es im Continentalcup nicht viele Österreicher zu geben, die momentan ganz nach vorne drängen?
Pointner: Sicherlich gibt es die. Ein Fettner zieht nach, der schon ein bisschen arrivierter ist und mittlerweile einige Erfolge verbuchen konnte. Zudem hat Michael Hayböck zuletzt in Bischofshofen ein Top-Resultat erzielt. Das sind die Athleten, die unsere kompakte Mannschaft komplettieren und vorbereitet werden, irgendwann einmal die Verantwortung zu übernehmen. Momentan tun dies unsere Superadler, also die fünf Siegspringer Morgenstern, Schlierenzauer, Kofler, Loitzl und Koch. Sie schaukeln das ganze Schiff, die anderen können Erfahrung sammeln. Und wenn es mal nicht ganz so läuft, ist es auch nicht so schlimm.
"Nicht nur der erste Platz zählt"
Die Öffentlichkeit erwartet dennoch Siege. Wie gehen Sie damit um, wenn ihre Mannschaft – wie beispielsweise in Harrachov von den Norwegern – geschlagen wird?
Pointner: Ich kann nur allen Mannschaften gratulieren, die heuer schon erfolgreicher waren als wir. Da waren sie dann definitiv besser. Andere Nationen versuchen natürlich das Beste und auch wir arbeiten ständig daran, in der Zukunft erfolgreich zu sein. Es ist aber keineswegs eine Schande, einmal Zweiter oder Dritter zu werden.
Wir haben in der Vergangenheit so viel gewonnen. Somit scheint es verständlich, dass die Medien bei einem zweiten Platz von einer Niederlage sprechen. Wir müssen uns aber persönlich anders dazu positionieren. Nicht nur der erste Platz zählt. Erfolg muss auch anders definiert werden. Für mich ist Erfolg, wenn meine Sportler Verantwortung übernehmen - auch in den Skisprungstadien und auf anderen Bühnen, auf denen sie wirken. Würden wir uns nur an Platzierungen definieren, würde dieses Haus irgendwann zusammenbrechen. Man muss lernen, Erfolge auch von einem anderen Blickwinkel zu sehen.
Mit Kofler, Schlierenzauer und Morgenstern sind derzeit drei ÖSV-Athleten in der Gesamtwertung ganz vorne dabei. Wie wirkt sich das auf die Stimmung im Team aus, belauern sich die Athleten gegenseitig?
Pointner: Natürlich ist ein tägliches Beschnuppern und Belauern da. Heuer haben wir ja auch eine andere Situation als noch vor einem Jahr. Da war Morgenstern der klare Führer, der von Anfang an den Ton angegeben hat, Gregor war damals noch verletzt. Jetzt haben wir drei Springer in einer fantastischen Situation. Da ist es auch ganz egal, ob der Vorsprung vorne schmilzt. Wir haben jetzt Mitte der Saison, die Positionen können sich noch in alle Richtungen verändern. Bei der Tournee haben wir es geschafft, dass schließlich alle Podestplätze von uns eingenommen wurden, was es lange Jahre nicht mehr gab.
Wir werden aber nicht primär auf die Platzierungen schauen, sondern wollen professionell und mit Freude weiter arbeiten, so dass wir unsere Leistung bringen können. Dann werden wir sehen, was rauskommt – ob es jemanden Besseren gibt oder ob es uns gelingt, ähnlich wie bei der Tournee, ganz vorne zu sein. Aber das wird sich erst im Nachhinein zeigen.
Vielen Dank für das Gespräch.
SKIJUMPING.de-Redakteurin Anna Baumgartner im Gespräch mit Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner.
| Hüttenwirt | 03.02.2012 | 10:40:41 |
Das Negativbeispiel zu Österreichs tollen Erfolgen sind eigentlich die Finnen. Die immer und jederzeit sehr gute Flieger hatten. Und nun gerade mal mit ein paar Pünktchen in der Nationenwertung vor "fast Einmannteam" der Schweiz nur liegen. Und der "Eine (Am)Mann" ist dabei heuer noch gar nicht so richtig in Form gekommen.
Das finnische Betreuerteam, welches etwa seine Unfähigkeit damit unter Beweis stellte, so einen Superflieger wie Harri Olli nicht auf die richtige Bahn lenken zu können (wie geht mir der ab!!!)
Mit Nykänen kann man mMn. Olli nicht vergleichen, Harri hat doch nen hohen IQ, der Matti eher ähnlich wie ein Kartoffel 
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| Hüttenwirt | 03.02.2012 | 07:39:33 |
Völlig richtig! @viv&Adlerhorst
Innauer, Pointner, Stams, die vielen Nachwuchstrainer, ja selbst Werner Schuster (auch Schlierenzauer ging durch seine Trainerhände) waren das Paket welches den tollen einzigartigen Erfolg der bis heute anhält schnürten.
Ja der alte Professor Mag. Baldur Preiml, dort lernte Innauer als Junger wohl schon einen alternativen Trainings-Weg zu gehen, den er später weiterging als Trainer und Sportdirektor. Der Professor hat ja Armin Kogler nach seiner Krebserkrankung auch stark unterstüzt und wies ihn etwa auf die Heilwirkung von Leinöl hin.
Kaum wird Pointner in Zukunft einmal einen Trainerjob bei einer anderen Nation übernehmen. Die Aufgabe das Niveau der öster. Siegspringer zu halten ist wohl viel reizvoller und schwieriger als alle anderen Trainer-Aufgaben. Pointner wird viel eher in Zukunft mal eine ganz hohe Funktion beim ÖSV übernehmen als irgendwo anders als Trainer zu fungieren. Sehr wahrscheinlich, dass wir Pointner als Trainer nicht mehr allzuviele Jahre bewundern werden können.
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| viv | 02.02.2012 | 17:45:41 |
@AdlerHorst: Ja, völlig Deiner meinung. Mit Innauer hast du natürlich absolut recht, wobei, wenn man die sache "historisch" betrachtet, die erfolge wohl schon mit Innauers trainer Baldur Preiml angefangen haben. Aber das ist ja nun wirklich lange her... 
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| AdlerHorst | 02.02.2012 | 16:45:34 |
Ich habe mir hier alle Seiten durchgelsen und muss sagen....
Zitat Steve: "Ein Beweis dafür, dass Herr Pointner nicht mehr den Überblick hat." und "
Man kann Pointner nur raten, so langsam die Augen aufzumachen."
welch ein Blödsinn?
Der Rat von Hüttenwirt, erst Hirn einschalten.... dann auf Tastatur tippen...ist sicher zutreffend.
Pointner ist schlichtweg der beste Trainer, nicht zu vergessen aber Innauer, der diesen Erfolg und all die heutigen super guten Strukturen als Sportdirektor mitaufgebaut hat. Und natürlich der gesamte ÖSV - der beste Skiverband der Welt - der dies alles ermöglichte.
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| viv | 02.02.2012 | 13:50:51 |
Pointner hatte nach kojonkoskis rückzug ein angebot von den norwegern, das er abgelehnt hat. Erst danach haben sie stöckl verpflichtet.
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| Steve | 02.02.2012 | 13:00:31 |
@ Sonja
Du hast meinen Texr auch nicht richtig gelesen. Ich hatte lediglich geschrieben, dass gegenwertig kein Bedarf bestehen würde, ihn zu verpflichten. Was in 2-3 Jahren ist, kann aber noch kein Mensch sagen.
Wie von XYZ gesagt, er muss erfolgstechnisch niemanden mehr etwas beweisen. Aber er könnte sein Wissen irgendwann noch an andere Teams weitergeben, eine neue Form der Herausforderung suchen.
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| viv | 02.02.2012 | 12:46:55 |
@Susi: Gerade das halte ich auch für eine enorme Leistung, dass er in der hinsicht auch auf unkonventionelle methoden gesetzt hat. Es hat ja diese saison gegeben, wo sich Schlierenzauer und Morgenstern aneinander aufgerieben haben; da wurden dann ganz neue wege der psychologischen aufarbeitung eingeschlagen. (Die sache mit dem improvisationstheater ist ja eh bekannt, morgenstern hat kürzlich mal über seminare zu bestimmten mentaltrainings-inhalten gesprochen etc.)
Dass er nicht alles selbst macht, dass auch die assistenztrainer, die stützpunkttrainer, die verantwortlichen trainer für A- und B-Kader enorm wichtig sind, dass Stams ein ganz wichtiger faktor ist, das steht eh ausser frage. Hab ich aber auch nie anders behauptet.
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| Susi | 01.02.2012 | 22:49:13 |
Und gerade wie er es schafft, dass Schlierenzauer, Morgenstern und Kofler sich nicht gegenseitig kaputt machen, das macht ihn für mich aus. Er hat aus den Österreichern ein Team gemacht, vorallem an der Zwischenmenschlichkeit gearbeitet & leicht war das sicherlich nicht.
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| Susi | 01.02.2012 | 22:45:09 |
So sehe ich das auch. Ein guter Trainer, macht aus dem was ihm vorgesetzt wird das beste & muss sich individuell einstellen können.
Pointer und seine Springer sind ein Team, er steht hinter seinem Team und bringt auch verbesserungsvorschläge an. Aber dabei überrennt er seine Springer nicht, sondern sucht mit jedem den Weg für sich persönlich.
Das finde ich super, wer weis ob das wo anders genau so wäre. Interessiert mich auch nicht, denn es ist gut so wie es ist und damit gut.
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| aut | 01.02.2012 | 22:09:58 |
Das einzig Wichtige als österreichischer Trainer ist, dass er für das österreichische Team der beste Trainer der Welt ist. Und das ist er schon seit Jahren.
Da ist es total egal, ob er zum Beispiel für das finnische Team der schlechteste Trainer wäre.
Wie es mit dem Pointex und Österreich weiter geht kann ich auch nicht sagen. Vielleicht geht er in 10 Jahren mit dem Gregor gemeinsam in Pension.
Noch etwas. Ich (Österreicher) liebe skijumping.de und freue mich über alle news und gerade auch über andere Nationen. Danke.
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